Er ging schon angriffsweise vor, kaum daß man sich in seinem warmen Neste zur Ruhe gesetzt hatte, und war schon im Begriff, das ganze feindliche Hauptquartier mit dem Feldmarschall und allen durch einen kühnen Handstreich aufzuheben und in seine Gewalt zu bringen.
Sie eilten hinein. Es hielt aber schwer, den eigensinnigen [pg 364]alten Blücher dazu zu bringen, das Schloß, in dem er schon anfing sich wohl zu fühlen, gleich wieder zu verlassen.
Erst als die Schießerei immer näher kam, ließ er sich überreden, hinunterzugehen und die Pferde zu besteigen.
Es war aber fast zu spät. Kaum auf der Straße, galoppierten ihnen fliehende Kosaken mit den Rufen „Franzuski!“ entgegen, und hinter ihnen her klabasterten schon flinke kleine Chasseurs mit einer Schnelligkeit, daß die Roßschweife an ihren Helmen wie Schleier hinter ihren Häuptern flatterten.
Mit Not gelang es noch, durch flinkes Einbiegen in eine Nebenstraße über die Felder zu entkommen. Dort aber drehte sich Blücher um, blickte nach der Stadt zurück, wo schon aus allen Fenstern Lichter blinkten, und wo der Lärm des Straßenkampfes immer lauter durch das Dunkel tobte, und sagte: „Bilde dich nur nicht ein, daß du dorten lange ruhig schlafen wirst!“
Als er aber nach einigen Tagen, nachdem er Napoleon geschlagen hatte, wieder nach Brienne kam und ins Schloß hineinzog, um drinnen doch das letzte Wort zu haben, da prangte auf der Tür im Korridor nicht nur über den Worten „Feldmarschall Blücher“, sondern auch unter ihnen die Inschrift: „Sa Majesté l’empereur“.
Stracks nahm er aus der Hand seines Quartiermachers, der schon wieder bei der Arbeit war und von Tür zu Tür pilgerte, die Kreide, machte einen Strich quer durch die Rechnung und schrieb eigenhändig darunter:
„Blücher“.
„Die Fremdenliste wäre nun in Ordnung“, sagte er schmunzelnd, gab ein Zeichen, die Tür zu öffnen, und befahl auch schleunigst, für Speise und Trank zu sorgen. Denn heute sei man bei sich selbst zu Gast, und man müsse doch für seine Gäste sorgen!
„Nachher können wir darangehen, mit dem Herrn Napoleon um das nächste Hotel zu raufen!“ fügte er hinzu. „Und mir soll’s recht sein, wenn’s sein Palais in Paris ist!“