Am andern Morgen war dichter Nebel überall. Es wollte nicht Tag werden.

Man war zum Angriff bereit. Da pfiff es plötzlich den wackeren Kämpfern um die Ohren. Flintenkugeln flogen aus nächster Nähe in die Stadt und in das Lager Yorcks. Wie ein Schwarm Hornissen, so summte und brummte es den Yorckschen um die Ohren, ohne daß es möglich war zu entdecken, woher es kam.

„Das sind die Bienen des Kaiserreiches!“ sagte Yorck. „Die kommen herangesummt mit dem Morgengruß vom Kaiser! Die paar Insekten machen aber noch lange keinen Sommer! Wir werden den frechen Kerls von Tirailleurs schon eins auswischen!“

Der Nebel hob sich gegen elf Uhr, und als die Sonne durchbrach und die Gegend erhellte, konnte der Posten oben auf der höchstgelegenen Windmühle melden, daß die Armee Napoleons zu beiden Seiten der Straße von Soissons Aufstellung genommen hatte und zum Angriff vorging. Bald entbrannte auf der ganzen Linie der Kampf. Napoleon konnte aber gegen die Übermacht der Blücherschen Armee nicht an. Es gelang ihm nur, dessen Vorposten aus Etouvelles zu vertreiben und den dortigen Paß über den Ardonbach zu besetzen. Im Laufe des Tages rückte dann östlich von ihm auf der Reimser Straße Marmont heran und suchte gleich um die [pg 371]linke Flanke Yorcks herumzufühlen, mit der deutlichen Absicht, ihm die Rückzugsstraße nach den Niederlanden abzugewinnen. Dem wurde rasch durch Kavallerie begegnet, Yorck zog seine Vorposten aus dem vor seiner Front liegenden Dorfe Athis heraus und ließ es anzünden, um ein verlustreiches Dorfgefecht zu vermeiden.

Von beiden Seiten wurde eifrig kanoniert. Aber der erwartete Sturmangriff der Franzosen unterblieb, und als der kurze Wintertag zu Ende ging, hatte der Feind sich damit begnügt, seinen Aufmarsch zu vollenden und vorteilhafte Angriffsstellungen für den nächsten Tag einzunehmen. Seine Truppen durften sich zur Ruhe begeben. Aber die Ruhe gönnte ihnen Yorck nicht. Er hatte ihre Passivität als ein Zeichen der Schwäche aufgefaßt und sich gleich entschlossen, sie beim Einbruch der Dunkelheit zu überfallen. Er holte die Genehmigung des Oberkommandos ein und traf sofort seine Anordnungen.

„Das Vorrücken geschieht in geschlossenen Kolonnen und lautlos, bis man an den Feind kommt. Es fällt kein Schuß, es wird nur mit dem Bajonett angegriffen“ – so lautete sein Befehl.

Alles setzte sich in Bewegung. Vorwärts ging es über den gefrorenen Boden gegen die Linie der feindlichen Feuer bis auf fünfhundert Schritt Entfernung.

Da brach auf einmal ein Höllenlärm los. Auf allen Trommeln wurde Sturm geschlagen, die Trompeten und Flügelhörner schmetterten und tuteten, und mit schallendem Hurra warfen sich die braven Schlesier auf den Feind, der, vollkommen überrascht, an keinen Widerstand dachte, Hals über Kopf floh und alles im Stich ließ. Er wurde kräftig verfolgt. Und nach ein paar Stunden konnte Yorck dem Hauptquartier melden, daß das ganze Korps Marmonts aufgerieben sei, seine gesamte Artillerie und Munition, Tausende von Toten und Gefangenen verloren und auch das anmarschierende Korps Mortiers mit in die Flucht gerissen hatte.

Napoleons Stellung war dadurch verzweifelt geworden. Er stand vor Etouvelles mit wenig über dreißigtausend Mann, seine beiden Flügel waren erschüttert, er hatte einen nunmehr dreifach überlegenen Feind sich gegenüber und den Engpaß von Etouvelles als einzige Rückzugsstraße. Wenn Blüchers Armee ihren Sieg ausnutzte und rasch weiter vorging, so war er verloren, denn er würde sich dann einer Umzingelung nicht mehr entziehen können.

Demgemäß wurde auch zunächst vom Oberkommando disponiert. Bülow und Wintzingerode sollten Napoleon festhalten, die anderen Korps von der Reimser Straße seine rechte Flanke umgehen, Sacken und Langeron um seine linke Flanke herumgreifen und versuchen, ihm die Straße nach Soissons zu verlegen.