Bei Anbruch des Tages war schon alles auf dem Marsch. Yorck triumphierte schon im voraus. Das Manöver konnte nicht mißlingen. Man hatte endlich den Löwen in der Falle! In ein paar Stunden wäre er umringt und vernichtet und der Krieg zu Ende. Alles drängte begeistert vorwärts, sich der Größe der bevorstehenden Entscheidung bewußt, und bereit, das Letzte herzugeben, um sie herbeiführen zu helfen.
Da fiel das eigene Hauptquartier dem ungestüm Vorwärtsdrängenden jäh in den Arm. Gneisenau sandte überallhin Konterorders und befahl, den so rüstig begonnenen Vormarsch einzustellen und in die alten Stellungen zurückzugehen.
Entgegen aller Vermutung war Napoleon zum Angriff geschritten, in der richtigen Voraussetzung, daß ein Feind, dessen Korps er erst kürzlich einzeln geschlagen hatte, es jetzt nicht wagen würde, sie noch einmal voneinander zu trennen, sondern vor allem bestrebt sein müßte, sie einem Angriff gegenüber jetzt sofort zusammenzufassen.
Er versuchte also, als der größere Menschenkenner, den Gegner zu bluffen, und der Versuch gelang.
Die Rückberufungsbefehle Gneisenaus flogen eiligst nach allen Seiten hinaus. Yorck bat, bei der Stange bleiben zu dürfen, er gab gute Gründe, er drohte, er fluchte, aber nichts [pg 373]half! Er, der sonst immer vom Hauptquartier angetrieben werden mußte, tat jetzt sein Äußerstes, um es zur Tat mitzureißen, aber vergebens.
Gneisenau war unerbittlich. Alles mußte zurück. Der sichere Triumph über den „Feind der Menschheit“ glitt Yorck aus den Händen. Er mußte gehorchen. Aber in sein Quartier zurückgekommen, befahl er seinen Wagen, ließ seine Koffer hineinwerfen, nahm Platz und fuhr ohne weiteres von seiner Armee fort.
Das ließ er sich nicht gefallen – das machte er nicht mehr mit! Da könnte kommandieren, wer wollte – er hatte es jetzt satt!
Zu dem Ärger, von Napoleon gefoppt zu sein, kamen jetzt bei Gneisenau die Schwierigkeiten mit Yorck.
Die Insubordination durfte nicht hingenommen werden. Aber einem Mann wie Yorck konnte man nicht einfach eine Kugel vor den Kopf geben.
Blücher allein vermochte da Wandel zu schaffen. Und Blücher war krank. Er fieberte, er phantasierte und nahm an allem Geschehen keinen Anteil.