„Mein Champagnerwagen!“ schrie er. „Sorgt nur dafür, daß der Isegrim ihn nicht erwischt. Der bärbeißige alte Kerl hat ja zwei Köpfe! Er hat zwei Mäuler zum Saufen! Er trinkt mir meuchlings den ganzen Krempel aus! Her mit Papier und Tinte! Ich muß es ihm schreiben –“

Müffling legte ihm ein Blatt Papier vor, und rasch, kaum leserlich, kritzelte Blücher ein paar Worte darauf, reichte ihm den Papierfetzen hin und sank ins Bett zurück. Eingedenk Ratkaus, wo dieser ihm auch etwas zum Unterschreiben ans Bett gebracht hatte, rief er ihm noch energisch zu: „Aber ich kapituliere nicht, Müffling, ich kapituliere nicht!“

Dann fiel er ins Bett zurück, blieb liegen und blickte bald Gneisenau, bald Müffling eigentümlich an.

„Komm Er her!“ rief er plötzlich. „Näher, nur immer näher, ich will Ihm etwas sagen!“

Müffling beugte sich zu ihm herab, und flüsternd und geheimnisvoll nickend, fing der Alte an:

„Weiß Er was? Ich habe ein Gefühl im Leib, als wäre ich mit einem Elefanten schwanger – es dehnt sich und dehnt sich – manchmal ist’s mir, als wäre mir die Stube [pg 376]schon zu eng – ich möchte nur wissen, wie das kommt – und auch, auf welchem Wege ich so’n Ungetüm wohl auf die Welt bringen werde?“

Das wurde Gneisenau zuviel. Entschlossen trat er an das Bett heran. In kurzem, scharfem Ton, der unbedingt die Aufmerksamkeit des Kranken erzwang, erzählte er von der Desertion Yorcks, die unbedingt die sofortige Dazwischenkunft des Oberkommandierenden erheischte, um peinliches Aufsehen zu vermeiden.

Blücher begriff. Die Wut packte ihn, verscheuchte im Nu die Fiebergespenster und machte seinen Geist sofort ganz klar.

„So’n Hundsmiserabler –, so’n Sauverfluchter! Und dabei hat der Kerl ganz recht! Wir sind im Unrecht! Himmeldonnerwetter, klappe ich einmal einen Augenblick zusammen, gleich geht alles schief! Wir hätten verfolgen sollen, Gneisenau – hätten bei der Stange bleiben müssen, wo wir endlich einmal den Kerl, den Korsen, im Sack hatten! Ja, sage Er einmal, Gneisenau, wo hatte Er das mit dem Hangen und Bangen nur plötzlich her? Das kenne ich sonst nicht bei Ihm? Es wäre schon besser, das Fieber hätte Ihn gepackt, nicht mich! Verflucht, daß ich gerade jetzt das Pech haben mußte, dazuliegen. Das muß ich wiedergutmachen. Her mit Tinte und Papier! – Er ist ein altes Ekel, ein ruppiger Hund, der Isegrim! Aber – wie prachtvoll hat er nicht soeben den Franzosen angebissen! – Nun, wo bleibt das Papier? Der Fetzen da taugt –, her damit!“

Er deutete auf seinen Brief, den er vorhin geschrieben hatte. Müffling reichte ihn ihm.