So zog er langsam hinter dem von ihm entfesselten Sturm her und wurde von ihm mitgezogen. Und jetzt gab’s keine Hindernisse, keinen Widerstand mehr. Was in den Weg kam, wurde fortgefegt.

Napoleons kecker Versuch, durch einen schnellen Marsch nach dem Rhein die Feinde von seiner Hauptstadt abzuziehen, mißlang.

Die Hauptarmee zauderte wohl wie immer. Schwarzenberg wäre am liebsten zurückgelaufen, als er vom Zug Napoleons hörte, ließ sich aber schließlich doch bestimmen, ihm nur eine Reitertruppe zur Beobachtung nachzuschicken, und folgte dann langsam in Richtung Blücher, vorwärts auf Paris.

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Am 31. März 1814 hielten der Zar aller Reußen und der König von Preußen an der Spitze ihrer Garden feierlichen Einzug in Paris.

Die Schlesische Armee durfte nicht mittun. Sie hatte die Hauptlast des ganzen Feldzuges getragen, hatte geblutet, gehungert, gefroren, Gewaltmärsche geleistet, Schlachten gewonnen, Festungen erobert, in Schnee und Eis notdürftig auf bloßem Boden biwakiert, von der Katzbach bis zum Montmartre Ungeheures verrichtet. Und jetzt, am Ziel, statt Ehren, Dank und reichen Lohn für alles ertragene Mühsal zu erhalten, mußte sie sich damit begnügen, aus der Ferne einen Blick ins Gelobte Land zu tun. Sie durfte von der Barriere des Montmartres die schöne Seinestadt zu ihren Füßen bewundern, die, von allen Herrlichkeiten und Genüssen der Welt erfüllt, sich dort unten ausbreitete. Sie mußte trockenes Kommisbrot essen und auf den Straßen biwakieren, statt in den Bürgerhäusern einquartiert zu werden.

Und vom König, für den sie geblutet hatten und dessen vornehmste Pflicht es gewesen wäre, aufs beste für sie zu sorgen, von ihm mußten sie hören: ihre Montierung wäre nicht propre genug; sie wäre zu zerrissen und unsauber, um beim feierlichen Einzug in diese glänzende Stadt damit paradieren zu können. Man konnte wohl den Krieg in Lumpen gewinnen, aber nie und nimmer in Lumpen triumphieren. Zum Triumphieren waren die Garden da. Dazu waren sie und ihre Uniformen die ganze Zeit geschont worden. Und, damit sie auch nicht zu spät kämen, um jener Ehre teilhaft zu werden, mußte die Schlesische Armee, die zwei Tage früher ohne Kampf hätte Paris nehmen können, auf Allerhöchsten Befehl einen Umweg um die Stadt machen. Die Folge war, daß die Marschälle Mortier und Marmont noch mit ihren Truppen zur Verteidigung herankommen konnten, und daß noch viel Blut fließen mußte, ehe Paris sich ergab. Auch vom geheiligten Blut der Garden, die sich mit gewohnter Tapferkeit schlugen, als sie endlich mal ran durften.

Blücher machte aus Wut den Einzug nicht mit.

Yorck lehnte auch ab mit der Begründung, er hätte keine Pariser Kleider mit.

Blücher war gesundheitlich wieder obenan. Seine Augen mußten aber immer noch von einem Schirm geschützt werden. Mit dem grünen Damenhut wagte er aber bei all seiner Tapferkeit den Parisern doch nicht zu kommen. Zu Pferd war er noch nicht gewesen. Aber sein Mundwerk war wieder instand, und die Galle funktionierte, wie sie sollte.