„Der König hat mich zum Fürsten machen wollen“, sagte er dabei zu seinen Begleitern. „Das ist nichts als Niedertracht! Das ist die Rache dafür, daß ich sooft auf das Fürstengesindel geschimpft habe, das wir überall mit rumschleppen müssen, und das nur jeder freien Bewegung im Wege ist. Ich habe abgelehnt. Ich habe ihm geantwortet, ich hätte nicht so viel Geld, um fürstlich zu leben. Ob er das wohl begriffen hat?“ wandte er sich zu den Offizieren mit einem schelmischen Augenzwinkern. „Er ist ja ein höllischer Rechenmeister geworden. Immer noch läßt er mich als Feldmarschall mit Generalleutnantsgehalt leben. Er denkt wohl: du kannst dir mit Belohnung und Vergeltung für den alten Kerl Zeit lassen, er geht wohl ab, und da heißt es: das Kind ist tot, die Gevatterschaft hat ein Ende! Nun, vorläufig tue ich ihm nicht den Gefallen! Er wird schon blechen müssen!“

Er drückte den Offizieren die Hände, setzte sich neben seinen Adjutanten in den Wagen, drückte seinen grünen Schirm über die Augen, ließ die Soufflette aufschlagen und fuhr so, von keinem erkannt, durch die Abenddämmerung, ohne Eskorte, ohne Musik und hurraschreienden Pöbel in das von ihm eroberte Paris hinein.

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13
Das Fell des Löwen

In eine Fensternische in der Hofburg zu Wien hatte sich der Freiherr vom Stein zurückgezogen und blickte über das Festgewimmel hinaus.

In den festlich erleuchteten Sälen bewegte sich eine in die Tausende gehende glänzende Schar der höchsten Gesellschaft Europas. Was irgendwo Namen oder Geltung hatte, war da. Die Fürsten fast ohne Ausnahme, ihre leitenden Minister ebenso. Die Kaiserstadt Wien hatte ihre schönsten Damen, ihre elegantesten Kavaliere entsandt.

Es wurde getanzt, geflirtet, gelacht, gescherzt; die Ereignisse des Kongresses: die Korsos, Schlittenfahrten, Maskenbälle wurden besprochen und Pläne zu neuen Festlichkeiten entworfen. Über Politik sprach man nicht. Sie war Anlaß zu den Festlichkeiten gewesen, und das genügte.

Man war nämlich hier an der schönen blauen Donau zusammengekommen, um der befreiten Welt einen endgültigen, gerechten, dauerhaften und ewigen Frieden zu bescheren.

Also eine äußerst spaßige Angelegenheit, wie die Ballkavaliere meinten.

Ein halbes Jahr päppelte man schon diesen berühmten Wechselbalg, und da sah man ihn plötzlich zu allseitigem Staunen im Begriff, sich zu einem regelrechten neuen europäischen Krieg auszuwachsen.