Gleich darauf knarrte die Leiter im Innern der Mühle unter wuchtigen Tritten. In der Wandluke zur Plattform kam ein scharfgeschnittenes Gesicht zum Vorschein, darüber ein dreieckiger schwarzer Hut, und dann eine grüne Uniform mit weißem Brustlatz über einem starken kurzen Körper. Im nächsten Augenblick stand der Kaiser Napoleon vor dem Müller, der eiligst seine Mütze vom Kopfe riß.

Der Müller kannte ihn wohl – und wem in der ganzen Welt wären wohl die Züge jenes Märchenhelden noch unbekannt gewesen?

Er trat auf den Kaiser zu und verbeugte sich tief. Er wollte die Gelegenheit benützen, ihm ins Gewissen zu reden – wollte hinausschreien, was er auf dem Herzen hatte, wollte ihm von hieraus die reiche Ernte ringsherum zeigen, die jetzt auf ein Wort von ihm der Vernichtung anheimfallen würde, und wollte sagen: „Sehen Sie, Sire, wie schön das alles ist, und wie reich uns der Himmel in diesem Jahre segnet! Das alles hier unten sind Gaben des Himmels! Und Gaben des Himmels tritt man nicht mit Füßen! Denkt doch daran. Schont unser armes, gemartertes Land! Laßt es nicht wieder verwüsten – laßt meine einzige Habe nicht vernichten. Es kostet nur ein Wort! Ein Wort, Sire, von Ihrem Munde gesprochen! Sie haben die Macht! Nützen Sie sie aus! Haben Sie Erbarmen!“

So wollte er sprechen. Als er aber die Blicke zu dem ehernen Gesicht des Schlachtenkaisers erhob, da vergaß er alles, da verlor er den Mut.

Was hätte es auch genützt?!

Die Worte hätten keinen Einlaß in das Bewußtsein jenes Gewaltigen gefunden, der vor ihm stand. Dort drinnen war alles in voller Gärung. Die Vorfreude einer großen Tat durchfieberte seinen Geist und spannte sein ganzes Denken an. Gewaltige Ideen jagten sich, ungeheure Gedankenverbindungen lösten sich dort unter jener Stirn ab, sein ganzes Hören war auf die Zuflüsterungen seiner inneren Stimme gerichtet. Wie wäre es ihm nur möglich gewesen, das [pg 402]Wimmern jenes armseligen Wurmes zu beachten, der sich vor ihm krümmte!

Napoleon streckte die Hand aus, zeigte auf die Höhen im Nordosten, und fragte, ohne auf den Müller zu sehen:

„Das Dorf drüben, von dem der Kirchturm aus der Talsenke hinter der Windmühle aufragt?“

„Brye!“ antwortete der Müller.

„Und drüben im Osten, rechts von Sombreffe, an der Chaussee von Namur?“