„Marschall Soult soll sofort noch einen Kurier nach Quatrebras an Marschall Ney abfertigen, den Befehl von heute früh nachdrücklich wiederholen und sagen, ich griffe um zwei Uhr die Preußen an, er möge sofort alles, was vor ihm steht, wegfegen, Quatrebras und die Straße von Namur nach Brüssel besetzen, dann zwölf- bis fünfzehntausend Mann hierherdetachieren und die Preußen in den Rücken nehmen. Spätestens um zwei Uhr will ich seine Kanonen hören!“

„Zu Befehl!“ antwortete drinnen eine Stimme, und die Leiter im Innern der Mühle fing wieder an zu quietschen und zu knarren unter den Schritten des Fortgehenden. Gleich darauf klapperten unten Hufschläge, die sich rasch entfernten.

„Ist der Bach die ganze Strecke von uns aus so dicht mit Bäumen eingefaßt?“ fragte Napoleon den Müller, der immer noch mit der Mütze in der Hand dastand.

„Hinter Ligny – geradeaus von uns – ist eine baumlose Strecke“, antwortete dieser.

„Es ist gut!“ sagte Napoleon, zufrieden, einen Platz herausgefunden zu haben, von dem aus er die preußische Stellung flankierend beschießen lassen konnte.

Er ging um die Plattform herum und blickte nach Westen über das Feld hinaus, wo seine eigenen Truppen im Anmarsch waren.

Links von der Chaussee Charleroi – Namur stand schon das Korps Vandamme in Stellung vor den drei Dörfern Saint-Amand. Auf der Straße selbst und rechts am Bach, von dessen Biegung ab – also fast in rechtem Winkel zu Vandamme – war das Korps Gerard im Begriff, sich auszubreiten – rechts von ihm die leichte Kavallerie Pajols, Exelmanns Dragoner und Milhauds Kürassiere – hinter der ganzen Aufstellung, als Reserve, die Garde. Im ganzen 64 000 Mann. Aber drei Lieues rückwärts, wo der Weg von Charleroi sich in die Chausseen nach Brüssel und Namur teilt, hatte Napoleon noch den Grafen Lobau mit zehntausend Mann stehen, um im Bedarfsfalle entweder auf der einen oder der anderen Straße zur Unterstützung vorgehen zu können.

Voll stolzer Zuversicht blickte der Kaiser über seine Truppen hinaus – die prächtigsten, die er seit langem geführt hatte. Hätte er die im Vorjahre gehabt, nimmermehr wäre der Feind in Paris eingezogen – die lächerliche Elbaepisode hätte er niemals erlebt, und der Kampf wäre ihm jetzt erspart worden.

Seine Veteranen waren aber in alle Welt zerstreut gewesen, in Spanien, in den deutschen Festungen, in den [pg 404]Spitälern, oder kriegsgefangen. Und er hatte den Endkampf mit unerprobten Rekruten und mit schlechtem oder minderwertigem Material ausfechten müssen, da seine Hauptdepots in Deutschland verlorengegangen waren.

Diese Leute hier waren aber fast alle in zwanzigjährigen Kämpfen gestählt, wetterfeste, gebräunte Kerle mit Nerven aus Stahl und mit unbeugsamem Mut, jeder einzelne zehn andere aufwiegend.