Napoleon zwängte seinen dicken Körper wieder durch die Luke hinein, ohne den Mühlenbesitzer weiter zu beachten. Dieser hatte auch schon den Kaiser vergessen und blickte interessiert nach der Mühle bei Bussy hinüber, wo unter den dunklen Uniformen der Preußen einige rote Röcke aufleuchteten, und viel Gold und Flitter verrieten, daß dort wohl der feindliche Stab, mit Engländern vermischt, seinen Standort hatte.

Die Gewitterwolken waren bis zur halben Höhe des Himmels geklettert. Die Sonne stand im Zenit und sandte eine mörderische Glut herab. Der Wind schlief.

Vier Kuriere hatte Napoleon schon an Ney geschickt mit dem gleichen Befehl, und noch immer hörte er nicht dessen Kanonen.

Die Spannung wuchs ins ungeheure.

Führte Ney pünktlich seinen Befehl aus, so gab’s für die Preußen kein Entrinnen mehr. Sie würden der sicheren Umzingelung und Erdrückung nicht entgehen können und waren für diesen Feldzug aus dem Spiel.

Die Niederlage der Engländer war dann nur eine Frage der Zeit – und die politischen Folgen unabsehbar. Das Schicksal der Welt hing von der strikten Ausführung dieses einen Befehls an Ney ab.

Mit der Uhr in der Hand wartete Napoleon die Zeit ab. Der Zeiger rückte unendlich langsam vorwärts – es wurde eins – es wurde halb zwei – zwei – und immer noch keine Kanonade von drüben!

Was war denn los? Ney, sonst kaum zu zügeln, und jetzt?

Napoleon verfluchte innerlich seine Unklugheit, seinen ganzen linken Flügel in die Hand dieses unzuverlässigen Brausekopfs gegeben zu haben. Er hatte aber keine Wahl gehabt. Die meisten seiner alten Marschälle waren kriegsmüde und unter allerlei Vorwänden auf ihren Gütern geblieben. Sie trauten seinem Glück nicht mehr und zogen es vor, sich noch alle Auswege offenzuhalten. Ein Sieg nur – und er hätte das Vertrauen jener Zaghaften wieder! Dieser Sieg winkte ihm heute so sicher wie einst bei Austerlitz – bei Jena – bei Marengo, und gleich umfassend, gleich vernichtend für den Feind! Könnte er nur selbst überall anwesend sein – selbst jede Einzelheit seines Planes ins Werk setzen!

Er schickte rasch noch einen Kurier nach Quatrebras, mit dem eigenhändigen Befehl an Ney, sofort zum Angriff auf die Engländer zu gehen und gleich einige Regimenter hierherzusenden. „Das Schicksal Frankreichs liegt in Ihrer Hand!“ schrieb Napoleon, zog dann die Uhr, wartete bis halb drei, fluchte laut, weil er noch immer keinen Kanonendonner von Ney hörte, und erteilte endlich den Befehl zum Angriff.