Das wäre auch seine Absicht gewesen, sagte Gneisenau, und das hätte er schon angeordnet. Er hätte Bülow bereits andere Marschorders gegeben und die Armee in die Richtung auf Wawre dirigiert, statt zurück nach Namur und Lüttich.

„Wir geben wohl dadurch unsere Verbindungslinie auf,“ setzte Gneisenau lächelnd hinzu, „und das ist ja bei einer geschlagenen Armee nicht gerade üblich! Aber wir kommen mit den Engländern zusammen und führen hoffentlich noch mit ihnen gemeinsam einen vernichtenden Streich gegen den Feind!“

Damit war Blücher einverstanden. Das war ganz nach seinem Sinn. Gneisenau ging. Und als der Doktor auch fort war, rief Blücher seinen Kammerhusaren.

„Ist der Quacksalber nun weg?“ fragte er. Und setzte, als die Frage bejaht wurde, im Flüsterton hinzu: „Der hat mich nun wieder bepflastert und gesalbt, wie’s nicht anders von ihm zu erwarten war! – Das Innerliche wollen wir uns aber selbst verschreiben. Hol’ mir eine Flasche Champagner her. Aber heimlich, daß es keiner sieht!“

Das besorgte der Husar, goß dem Feldmarschall ein Bierglas voll, bekam selbst sein Teil, und so waren sie bald wieder klar zum Gefecht.

*

Die Preußen marschierten.

Auf grundlosen Wegen, bei strömendem Regen arbeiteten sie sich vorwärts, abgehetzt, hungrig, durchnäßt, aber doch frohen Mutes, weil ihr Marsch sie wieder an den Feind heranführte, und weil sie alle danach lechzten, die Scharte auszuwetzen und für die gefallenen Kameraden Rache zu nehmen.

Der verfolgende Sieger machte es sich bequem.

Er nahm ohne weiteres an, die geschlagenen Feinde hätten nichts Eiligeres zu tun, als wieder nach Hause zu laufen, und verfolgte sie also, nachdem er erst weidlich gerastet hatte, in der Richtung auf den Rhein zu. Und so marschierten die [pg 410]Preußen an seiner Nase vorbei, ohne daß er etwas merkte, sammelten ihre Versprengten, ordneten ihre Verbände und langten am nächsten Tage ungefährdet in Wawre an.