Wie immer, wenn er irgendwo haltmachte, sprangen vier Mann seiner Leibgarde von den Pferden, stellten sich in weitem Viereck um ihn herum auf und sperrten den Platz ab. Wie eine lebendige Burg schob sich dieses Viereck hin und her, seinen jeweiligen Bewegungen folgend.

„Wie bei einem Fächer laufen die Flankenlinien unserer Aufstellung hier in diesem Punkt zusammen“, sagte Napoleon und blickte prüfend über seine etwas tiefer stehende [pg 415]Armee, die in drei Linien, die eine kürzer als die andere, vor ihm aufmarschiert war.

Er nickte befriedigt, als er dicht vor sich in der dritten kürzesten Linie die feste Mauer seiner alten Garde sah, deren Grenadierbataillone, wie wandernde Festungen seines Kaisertums, ihn durch alle Feldzüge begleitet hatten und ihn auch heute vor jeder Tücke des Zufalls beschützen sollten. Rechts von ihnen wogte ein Wald von Eisenspitzen über den ungeduldig sich bäumenden Pferden der Lanciers von Lefebvre-Desnouëttes, während links die Linien der reitenden Garde, wie nach der Schnur ausgerichtet, ihrer Verwendung harrten.

Napoleon winkte den Grafen Lobau näher und zeigte auf die von ihm befehligte junge Garde, die die Mitte der zweiten Linie zu beiden Seiten der Chaussee hielt.

„Es waren viele blutjunge Gesichter unter Ihren Leuten zu sehen, lieber Graf“, sagte er. „Viele schmächtige Gestalten, die ich Bedenken haben würde, auf entscheidenden Stellen einzusetzen, wenn ich nicht wüßte, daß es Franzosen sind – und vor allem, wenn sie nicht in Ihnen einen Führer hätten, der sie alle, nicht nur körperlich, um einen Kopf überragt!“

Er nickte gnädig dem über die Anerkennung stolz lächelnden Grafen zu und ließ die Blicke fast zärtlich über die eiserne Masse seiner schweren Reiterei schweifen, die, von Milhaud und Kellermann geführt, rechts und links von der jungen Garde ihre Kürasse und Helme in der Sonne blitzen ließ. Denn die Sonne brach jetzt endlich durch die Regenwolken, die sie seit zwei Tagen dem Anblick der Welt entzogen hatten. Dann nahm die erste Linie, die dicht am Rand des Plateaus ihre Massen ausbreitete, seine volle Aufmerksamkeit gefangen.

„General d’Erlon!“ rief er, und der General lenkte grüßend sein Pferd näher. „Ihre Divisionen stehen alle hintereinander. Lassen Sie lieber vier Angriffskolonnen nebeneinander um je eine Division in Kompaniebreite formieren. Ihre Leute waren bei Ligny nicht im Feuer. Heute sollen sie die Hauptarbeit machen. Wenn das Signal zum Angriff [pg 416]gegeben wird und das Artilleriefeuer ausgewirkt hat, dann steigen Sie in das Tal hinunter, werfen den Feind aus den Pachthöfen La Haye und Papelotte, deren Dächer dort unten rechts aus dem Grün herauslugen, stürmen die jenseitige Anhöhe, zerschmettern den linken Flügel der Engländer, werfen ihn auf das Zentrum und entreißen ihm die Chaussee nach Brüssel. Im Walde hinter seiner Aufstellung werden wir ihm dann leicht den Garaus machen. Sie haben gegen sich Schotten und Hannoveraner, wie ich heute festgestellt habe. Auf dem Dorfweg, der sich drüben auf halber Höhe die Böschung entlang wie ein Laufgraben hinzieht, werden Sie auch von den Inselbewohnern etliche im Hinterhalt liegend vorfinden. Es wird nicht geschossen, nur mit dem Bajonett gearbeitet, bis Sie oben sind.

Ich muß auf dem rechten Flügel mehr Artillerie haben! – General Reille!“

Der Gerufene ritt in das Viereck hinein, das d’Erlon nach empfangenem Befehl verließ.

„Sie werden“, sagte Napoleon kurz und bestimmt, „von Ihrer Artillerie die schweren Haubitzen nach dem rechten Flügel hinübersenden. Sie sollen dort, wo die Front sich den Talrand entlang nach vorne biegt, Aufstellung nehmen und von dort den Feind mit flankierender Wirkung beschießen. Sie sehen die Häuser, die links von der Chaussee unten im Tal aus der grünen Oase emporragen?“