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Das war am achtzehnten Juni. Schon am siebenundzwanzigsten konnte Blücher seiner Frau aus Compiègne schreiben: „Hier sitz ich in dem Zimmer, wo maria luise ihre Hochzeitsnacht Celebrierte, man kann nichts Schöneres und angenehmeres sehn als Compiene – –“
Am siebenten Juli rückte Blücher wieder in Paris ein und führte so den Gebrauch ein, auf jeden französischen Einzug in Berlin mindestens zwei deutsche in Paris folgen zu lassen, damit man sich das merke und sich auch danach richte.
Der deutsche Michel stand also wieder in Paris.
Er benahm sich nicht wie der Ochse im Porzellanladen – auch plünderte er nicht und erpreßte nichts. Ja, er getraute sich nicht einmal, die ihm abgenommenen Milliarden zurückzuverlangen – er war wieder gut und edel, zeigte Gemüt, nahm Rücksicht, dachte, man würde es ihm danken, und merkte nicht, daß man ihn auslachte.
Die anderen, die machten es ganz anders, wenn sie an der Reihe waren und siegten. Sie verstanden es, ihren Haß und ihre Rachsucht ins Gemüt des Besiegten hineinzustampfen, daß der Schmerz drin blieb und wucherte und zur Vergeltung trieb.
Es fehlte nicht an wohlmeinenden Mahnern, die Michel beim Ohr nahmen und sagten: „Michel, werde hart, sonst geht’s dir noch einmal ans Leben!“
Blücher brauchte jene Mahner nicht. Er sprach deutsch mit den französischen Unterhändlern und schrieb ihnen auch in dieser verpönten Sprache, zum Entsetzen aller Diplomaten, nicht zum wenigsten der deutschen.
Er verfügte Wegnahme aller geraubten Kunstschätze, [pg 434]verlangte zweimonatige Löhnung und neue Bekleidung für seine Truppen, legte der reichen Stadt Paris eine Kontribution von hundert Millionen auf und befahl sofortige Sprengung der Jenabrücke, ehe die Monarchen nach Paris kommen konnten, um das zu verhindern.
Sie kamen aber schleunigst mit Extrapost an und inhibierten sowohl das wie vieles andere, insbesondere die Auszahlung der hundert Millionen.