Sie kamen aber nicht schnell genug, um zu verhindern, daß Wellington in seinem Gepäck den vor drei Monaten ausgerissenen König Ludwig XVIII. mitbrachte – Louis dixhuit – oder „biscuit“, wie er fortan, als zweimal gebackener Monarch, genannt wurde.

Die beiden Kaiser und der König von Preußen hatten sich das französische Cousinat diesmal ganz anders gedacht. Sie waren nicht sehr davon erbaut, auf dem Thron Frankreichs diesen ungeheuren Klumpen lächelndes, gekröntes, suffisantes Fett wieder vorzufinden, der sich ohne weiteres als Hausherr gerierte und ihnen die Rollen wohlerzogener Gäste zuschob.

Sie fanden sich aber bald mit ihren Rollen ab und ließen den ungelenken Mastodonten auf seinem königlichen Rollstuhl sitzen, allwo er denn auch ein beschauliches Dasein führen konnte, sich tagtäglich zwischen dem Bett, der Tafel und dem geheimen Kabinett hin und her schieben ließ und, fern von den Schrecknissen des Krieges, von Werken des Friedens träumen konnte, als welche da sind: trüffiertes Wildbret, pikante Soßen, wohltemperierter Burgunder und mehr desgleichen.

Bedenkt man die Verwüstung und Verarmung der anderen europäischen Länder während der langen Kriegsjahre, so muß zugegeben werden, daß la France, die Urheberin des ganzen Elends, doch mit ihrem neuen „Legitimen“ billig dabei weggekommen war. Denn, wenn er auch im guten Sinne nicht so viel leistete, so tat er sich im bösen noch weniger hervor. Ganz wie das weiße Pflaster, das von der bourbonischen Hausfarbe wohl den Namen hatte.

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Der größte Sieg

Alt und grau, noch rüstig, aber von Ruhm und Ehren gesättigt, kehrte er zurück zu den heimatlichen Gestaden, um die Stätten wiederzusehen, auf denen er in jugendlichem Übermut herumgetollt war.

Er trieb sich in der Stadt umher, durch die Straßen, über den Markt, in den Kirchen, auf den Friedhöfen, versäumte nicht, den Ratskeller auf seine verborgenen Schätze anzusprechen, und landete schließlich auf dem Wall, von wo aus er über den Hafen auf den Breitling hinausblicken konnte, der im Sonnenschein glitzerte und blinkte. Lange stand er da, in wehmütige Gedanken versunken.

Das Wiedersehen mit der Heimat war so ganz anders, als er es sich während seines langen Lebens vorgestellt hatte.

Damals eine Welt, die für das Aufjauchzen der ersten Lebenslust kaum Raum genug hatte, die zu eng, zu drückend war – eine Fessel, die gesprengt werden mußte –, ein Kerker, aus dem es galt möglichst schnell zu entrinnen. Und jetzt leer, tot und verlassen von allem, was sich damals in ihr drängte –, fremd und doch so vertraut zum Herzen sprechend wie ein altes, lange nicht gehörtes Lied, das auf einmal plötzlich wieder an unsere Ohren dringt.