Wo die wohl alle geblieben waren?
Ob sie noch lebten – wie sie wohl aussahen, und ob sie sich nicht jetzt dazu bequemen würden, ihn als den Stärkeren anzuerkennen?
Es waren obstinate Racker gewesen, steifnackige Krabaten, ganz wie er selbst. In den Jugendkämpfen mit ihnen, da hatte er wohl eben das feste Zupacken geübt – da hatte sich am Ende der Keim zu den späteren Siegen zuerst entfaltet?
Daher kam es wohl, daß er sooft im wilden Getümmel großer Geschehnisse plötzlich innehielt und sich beim ernsten Nachdenken über die hochwichtige Frage ertappte: was wohl [pg 439]Hans Jörg zu diesem oder jenem gesagt hätte, wäre er jetzt dabeigewesen, und was für ein Gesicht der alte Knabe wohl machen würde, wenn er in der Avis die große Begebenheit fett gedruckt aufgetischt bekäme?
Aber der Hans Jörg war wohl auch so’n dicker, aufgeblasener Spießer geworden und hatte wohl über der Sorge seines Bauches längst alles andere vergessen!
Noch eine Weile blieb Blücher oben. Er konnte sich nicht vom Blick übers Wasser trennen. Es war wohl ein allerletzter Abschied, den er jetzt nahm.
Endlich wandte er sich zum Gehen.
Da kam dort um die Ecke, gerade auf ihn zu, ein altes Männlein, hüstelnd und sich räuspernd, blieb vor ihm stehen, zog ehrerbietigst die Mütze, blickte aus alten, müden, halberloschenen Äuglein neugierig zu ihm auf, verzog sein gefurchtes, braunledernes Gesicht zu einem breiten, vergnüglichen, aber zugleich verlegenen Lächeln, indes die Zunge hinter den zahnlosen Lippen mühselig nach Worten suchte.
Endlich brachte er die Frage heraus, lange und wollüstig an jeder Silbe lutschend:
„Verzeihen,“ sagte er, „wollen Ihro Hochgeboren nicht übel aufnehmen, wenn ich wage, gehorsamst eine Frage zu stellen – aber Sie sind ja woll der Durchlauchtigste Feldmarschall Fürst Blücher selbst in persona?“