„Wo wird er wohl?!“

„Nu, wo werrd ich denn sehhen? Weiß ich doch: hat sich ein Schweineglück, der Panje Obberst!“

„Ein Schweineglück“, wiederholte der Sachse. „Hättest ihn sähn sollen, wie sein Färd rücklings in den Kraben trat! Wie ’ne Stahlfeder schnellte er aus dem Sattel auf den Weech rauf! Wie ’ne Gerze stand er vor der Front ohne eene eenzige Schramme – wo er doch von Rechts wegen mit gaputte Gnochen unterm Färd liegen mußte!“

„Er is gefeit“, sagte der Schlesier kurz und bündig. „Oof ihn beeßt kee Stich, kee Hieb. Die Kugeln biegen vor ihm aus. Und wenn a fällt, fällt a imma hinoof. Fällt a as Oberscht, kommt a as General hoch! Fällt a as General, kommt a as Feldmarschall wieder in den Sattel!“

„Nu äben!“ lachte Häberlein. „Warum nicht ooch? Wenn der Schläsier sein Maul uffdhut, da nimmt er’s allemal dicke voll!“

Der Schlesier sagte nichts. Er saß nur da, wieder wie eine Statue, ohne eine Miene zu verziehen, und blickte geradeaus.

„Unheimliches Kerl!“ dachte der Pole fröstelnd. Denn es war noch früh im Mai und das Gruseln leicht.

Bum, schossen drüben die Franzosen. Bum, Bum!

Ihr Feuer lag links auf Neustadt zu, wo die Hauptmasse der Blücherschen Truppen jetzt herauskam und auch zu kanonieren anfing. Aber eine Kugel fand auch den Weg nach [pg 56]rechts, über den Wald, wo die Planitzer lagen, warf Steine und Sand über die Reiter und dem Sachsen ins Maul, da er’s eben auftat. Er aber geschwind die Bescherung ausgespuckt. Und hinterher brauste seiner Rede Strom mit doppelter Gewalt.

„Nu saacht ä mal bloß: Was hat wohl der Alte mit uns vor? Mir stampfen hier egal uff eenem Fleck und lassen uns mit Dreck schmeißen! Warum nähmen mir nich dem Kroppzeug drüben die Ganohnen wech? Die schiessen ja wie die Schweine! Am Ende treffen die ooch noch! Und dann ade reiten! Een, zwee!“ fing er an, die Schüsse zu zählen. „Des reene Salutschießen! Akrat wie in Billnitz, wo wir mit den Rekruten durchkamen und die Maschestäden ooch da waren! Eja, des war scheen! Der Geenich von Sachsen, der Geenich von Preißen und der Gaiser Leopold ooch noch, Gott hab ihn sälig! Und hinter ihnen her der ganze Schwanz von hohen Herren und Gonfusionsräden! Die machten nu fix een Gollech um den grünen Disch rum, zogen die Schlafmützen feste ieper die Ohren runter und taten damit dicke, wie sie den lieben Gott wieder in Frankreich einsetzen wollten und den Geenich Lurwich ooch! – Und des war nu nichts als wie ’n Schpadziergang, und des hamm sie nun verbrieft und besiegelt und begossen und waren noch lange nicht mit der Beschärung fertig – da hat der Franzos die Frechheit und erklärt uns den Griech und haut seinem Lurwig den Döskopp ab und ist ieper die Krenze, ehe die Gonfusionsräde wach wurden! Nich ä mal ä Griechserklärung hamm sie fertig gebracht – nicht mal im Traum! Die gennen nu die Franzosen wieder alleen rausschmeißen – die Gonfusionsräde! Mir dhuns nimmer mehr, wenn mir so weiter siechen!“