Der Pole wollte antworten. Da bliesen endlich die Trompeten zur Attacke, die Roten sausten aus ihrem Hinterhalt heraus und begriffen jetzt, warum ihr Oberst sie so lange hatte warten lassen.

In die Flanke der Kolonne, die über Kirrweiler vorgedrungen war, ging es mit schwindelnder Fahrt. Hier riß eine Kanonenkugel eine breite Bahn durch die vorstürmende Masse – dort sank mancher Reiter, von einer wohlgezielten Flintenkugel getroffen, aus dem Sattel. Aber die Lücken klafften nur einen Augenblick, dann schlossen sich die Glieder, vorwärts fliegend, und die Roten waren drüben und droschen mit ihren Säbeln auf die Köpfe der „Ohnehosen“, daß es nur so eine Art hatte.

Der Schlesier, der Sachse und der Pole wetteiferten mit den anderen im blutigen Handwerk und hieben und stachen und bekamen manche Schramme ab. Es war ein Gewühl, ein Gedränge, ein Stampfen, ein Wiehern, ein Röcheln der Sterbenden, ein Fluchen und Schreien, ein Schmettern der Trompeten. Lange währte es nicht, da war der Widerstand gebrochen, die Kanonen genommen, die Franzosen in voller Flucht und die Roten hinterher – wie die Apokalyptischen Reiter, Tod und Verderben in die Reihen der Fliehenden säend.

Durch das Dorf Kirrweiler ging es auf Frischlingen zu, wohin alles in voller Auflösung floh. Die wilde Jagd folgte – allen voran Blücher selbst, alles anfeuernd und vorwärts drängend. Mit ihm noch mehrere Züge brauner Husaren, die jetzt ihren roten Kameraden halfen, den Sieg zu vollenden. Dann sauste Blücher mit ein paar Schwadronen noch rasch nach rechts gegen Edenkoben hin, um der darüber hinaus vorgestoßenen französischen Kolonne in die Flanke zu fallen und auch ihr die Kanonen abzunehmen. Es gelang nach heftigem Kampf mit der feindlichen Infanterie. Die Franzosen wurden auch da in das Dorf zurückgeworfen und in den engen Gassen, wo sich alles staute, kurz und klein gehauen. Das Schlachtfeld war weit und breit mit gefallenen und verwundeten Feinden besät.

Blücher triumphierte.

Am Morgen, als ihm das Anrücken der Franzosen gemeldet worden war und jene ihre Tirailleursketten ausschwärmen ließen und mit der Kanonade anfingen, da war sein General und Prinz Hohenlohe zu ihm geritten, hatte ihm geraten, sich lieber vor der Übermacht auf Neustadt zurückzuziehen, ihm aber freie Hand gegeben. Blücher, dem der rechte Flankenschutz der preußischen Armee oblag, dachte nicht einen Augenblick daran, zu retirieren, sondern nahm den Kampf mit der Übermacht auf. Und das Glück war ihm hold. Mit Kavallerie allein gewann er einen glänzenden Sieg über ein ganzes Armeekorps, schlug es entscheidend, nahm ihm Kanonen, Munition, Gefangene und Pferde ab, und verbesserte so nicht nur seine eigene Stellung, sondern auch die der ganzen preußischen Armee.

Die Belohnung blieb nicht aus. Nach kurzer Zeit traf seine Beförderung zum Generalmajor ein. Und zugleich wurde er Chef des Roten Husarenregiments, des früheren Bellingschen, in dessen Reihen sein ganzer Aufstieg erfolgt war, und das von nun an nach ihm benannt werden sollte.

Als frischgebackener General nahm er dann seinem Regiment die Parade ab.

In langer Front standen seine Braven, Schwadron an Schwadron – die Pferde mit den Köpfen wie nach der Schnur aneinandergereiht, in steter Bewegung und ungeduldig auf die Trensen beißend, daß der schneeweiße Schaum im Winde flog.

Prächtig leuchteten die roten Dolmans gegen das helle Vorsommergrün. Und als auf Kommando die Säbel aus den Scheiden flogen, um den Chef zu salutieren, züngelte ein tausendfacher Blitz über das Feld. Es war ein prächtiger Anblick, und wohl dazu angetan, das Herz eines rechten Soldaten zu erfreuen.