„Aber – wie’s scheint – doch nicht stumm!“ lachte Blücher und ließ sich’s gefallen, daß sein Malchen, ihre Verlegenheit durch einen plötzlichen Hustenanfall verbergend, ihm die Pfeife aus dem Munde riß.

„Pfui, du verqualmst uns ja das ganze Haus! Kommen [pg 74]Sie, Hoheit – gehen wir aus diesem Raum hinaus, wo er allein zu gebieten hat! – Ich führe Sie in mein Reich!“

Und sie zog ihn mit. Blücher folgte. Und der Prinz, jetzt schon wie zu Hause, forderte sie, draußen im Salon, auf, gleich den Tanzboden mit ihm zu probieren.

Freudig willigte sie ein und ließ sich von ihm die neueste Tour der Gavotte zeigen, die man jetzt am Hofe der Königin Luise so gern zu tanzen pflegte, damit sie nicht unwissend sei, wenn sie einmal zu Hofe käme!

Die Tour wurde durchgenommen – der Prinz sang die Melodie dazu. Und Blücher, der auch ein gewaltiger Tänzer war, wurde gleich Feuer und Flamme, revanchierte sich sofort mit einem polnischen Tanz, den er beim letzten Feldzug in Polen gelernt hatte, komplimentierte den Prinzen ans Spinett, trällerte ihm selbst die Melodie vor, bis er sie spielen konnte, und tanzte ihm dann mit seiner Frau einen feurigen Krakowiak vor, daß die Dielen dröhnten und die junge Frau nur so durch die Luft schwirrte. Im Tanzen stand er noch seinen Mann.

Als der Prinz aber in voller Begeisterung ein wahres Feuerwerk von Komplimenten über die junge Frau losließ, machte Blücher dem rasch ein Ende, schickte sie fort, um nach den Anordnungen für die Mahlzeit zu sehen, und führte seinen Gast solange durch den Garten.

„Zur Abkühlung!“ wie er nicht ohne einen Nebengeschmack von Ironie sagte.

Statt der schönen Frau mußte der gute Prinz also die Pferde des Generals bewundern, die aber auch erstklassig waren und es gleichfalls verdienten, vor einer Königlichen Hoheit Gnade zu finden. Blücher versäumte es nicht, dabei in den Sattel zu steigen, um ihre Vorzüge recht anschaulich zu machen, aber auch um zu zeigen, wie gut sie, trotz ihrer Wildheit, ihm doch parierten, wenn auch sie, wie er nicht ohne Ironie beifügte, bisweilen mannstolle Sprünge versuchten.

Dann ging’s durch den Garten, an den Fernblick über den Rhein, und zuletzt um das Haus herum, wobei der Prinz [pg 75]sich genau nach allem erkundigte und besonders von dem Efeu entzückt schien, dessen armdicke Stämme sich an der Wand emporschlängelten, um mit dunklem Grün die Fenster zu umrahmen. Er zeigte hinauf nach dem Fenster der jungen Frau – denn wo das war, hatte er gleich heraus – und fragte leicht, den Efeu mit der Hand prüfend umfassend: „Daran klettern Sie wohl manchmal hinauf, Blücher, wenn Sie’s eilig haben?“

„Das wohl nicht, Hoheit“, lachte der General. „Denn ich pflege nicht den Schlüssel zu vergessen, wenn ich abends aus bin. Aber – zu machen wäre es wohl!“