Und gewandt wie ein Jüngling, packte der hohe Fünfziger den Stamm des Efeus und kletterte halbwegs hinauf.

Da kam die junge Frau eben auf die Treppe heraus, um zu sagen, daß alles zum Essen bereit sei, sah die lange Gestalt ihres Herrn und Gebieters zwischen Himmel und Erde schweben und schrie leicht auf.

„Hat keine Gefahr, Malchen,“ rief Blücher herunter, „mach’ man ja kein Geschrei!“

„Ihr Herr Gemahl ist ein liebenswürdiger Hausherr!“ lachte der Prinz. „Er zeigt seinen Gästen den nächsten Weg ins Allerheiligste!“

„Ich zeige höchstens – wie sie herunterkommen, wenn sie den Kletterversuch unternehmen!“ bekam er zur Antwort, und Blücher sauste herunter und zeigte dann lachend seinem Gast den Weg in den Speisesaal.

Man nahm um den runden Tisch am offenen Fenster Platz, durch das man über den Rhein hinausblicken konnte, ließ sich die Gerichte der Frau Gemahlin gut schmecken, begoß sie mit goldigem Rebensaft aus den Kellern des Generals und war bald froh und guter Dinge.

Der General trank seinem hohen Gast zu und vergaß auch nicht, ihm einen Trinkspruch zu widmen, da er ja gern und ausgiebig zu reden pflegte und man das also wohl von ihm erwarten mochte.

„Hoheit gestatten?“ sagte er, seinen Römer ergreifend.

„Ich erhebe mein Glas auf den alten, guten, preußischen Offensivgeist, dessen glanzvollster jugendlicher Vertreter uns die Ehre antut, heute unser Gast zu sein. Selten habe ich jenen Geist des Drauflosgehens mit solcher Lust walten sehen, wie eines schönen Julitages vor sechs Jahren – bei Edesheim war es –, Hoheit wissen noch! Und selten wurde ich trotzdem so enttäuscht wie nach jenem Vorfall!

Meine braven Leute hatten sich den ganzen Tag wacker geschlagen und in den Weinbergen einem an Menschen und Artillerie vielfach überlegenen Feind standgehalten. Sie fingen schon an, müde und marode zu werden, und ich mußte schon zweifeln, ob sie bis zur Dunkelheit noch aushalten würden. Da kam soutien! Ein paar frische Bataillone Infanterie, an ihrer Spitze ein junger Offizier, mit dem ich sofort einig wurde, dem Feind gleich auf die Pelle zu rücken. Entschluß und Tat waren bei ihm eins. Kaum gesprochen, war er sofort vom Pferd herunter und stürmte allein voran auf den Feind los, der sich schon Sieger glaubte. Es war eine Augenweide zu sehen. Und meine Roten säumten auch nicht, einzugreifen, den Erfolg auszunützen und alles zusammenzuhauen, was da kreuchte und fleuchte.