„Oder zum mindesten ein geheimer Raubmörder!“
„Das auch noch!“
„Gestehen Sie’s nur, Sie haben so etwas auf dem Kerbholz!“
„Nicht einmal im Traum!“
„Sie werden doch unter Ihren reichsritterlichen Ahnen wenigstens einen von der Sorte haben?“
„Kann schon sein!“
„Nun, sehen Sie! Da werden Sie von ihm ebensoviel geerbt haben, wie ich von dem meinigen, und mit mir eines Sinnes sein und eine Schädellehre haben, und die ist nun die nämliche: wenn all die Dickköppe und Strohköppe und Hohlköppe und Dösköppe und Schafsköppe und Quasselköppe, von denen der Schädelgelehrte da nichts wußte, obwohl wir hier im Lande einen Überfluß daran haben – wenn die alle im Staate mitreden sollten, wie Sie es wollen, oder [pg 90]sich gar zu einem Parlament zusammentun dürften, um Geschrei und allerlei Konfusion zu machen – wie drüben in Paris –, das wäre weit schlimmer als eine allgemeine Kopflosigkeit! Da hilft nur ein Mittel dagegen, und das ist nun das nämliche, was die Jakobiner so gut zu handhaben wußten, nämlich: die Guillotine! Aber auf die richtige Art angewandt – an den Jakobinern selbst. Runter mit dem Salat, das hilft! Nachher wird kein unnütz Stroh gedroschen!“
„Der Meinung bin ich nun nicht!“ antwortete der Baron energisch. „Es schadet nicht, daß die Leute ihr Stroh dreschen, wenn sie nur mittun und mitempfinden lernen. Nur wenn sie sich auch verantwortlich fühlen, nur dann wird das eingeschlafene Gefühl der Zusammengehörigkeit mit dem Vaterland wieder wachgerüttelt. Und kein Fremder darf dann wagen, an deutsche Gaue Hand legen zu wollen, wie er es jetzt wieder versucht!“
Sie waren inzwischen aus der Akademie herausgekommen und gingen langsam durch die Straßen der alten Stadt nach Hause.
Auf dem Domhof kam ihnen eine goldstrotzende Prozession entgegen mit wehenden Fahnen, Blumen und Weihrauch und der gesamten Geistlichkeit in prachtvollen Gewändern.