„Das würde mich der Sache wegen freuen“, antwortete Stein ruhig. „Nach allem, was ich bis jetzt gesehen habe und nach dem, was ich zu meinem Erstaunen soeben auch von Ihnen hören mußte, glaube ich aber nicht recht daran.“

Blücher lächelte.

„Sehen Sie sich nur die jungen Leute an, wenn Sie nach Berlin kommen! Da werden Sie gleich am Hofe einen finden, der nach Ihrem Sinne ist – ein junger Kerl, der beim Prinzen August Adjutant ist –, Clausewitz heißt er – kein Windhund, leider, aber sonst ganz mein Fall! Ein Gesicht hat er, das nach sehr gutem Rotspon aussieht – geht nicht aus sich heraus, außer wenn’s eine Sache gilt, dann aber auch gehörig! Den nehmen Sie sich vor! Sagen Sie ihm weiter nichts als das eine Wort: ‚Scharnhorst‘, da sollen Sie sehen, wie er wie eine Pulvermine auffliegt und gleich Feuer und Flamme ist. Auf den Scharnhorst schwören sie, all die jungen Leute, die er bei der Kriegsschule ausgebildet hat. Und recht haben sie. Denn er taugt was, er kann was, und er weiß, was er will. Aber ehe es so weit ist, daß man allerhöchsten Ortes auf ihn hört, da wird er wohl auch steinalt sein und nichts mehr wollen können! Es ist leider Gottes nicht allen gegeben, ihr Leben lang siebzehn Jahre alt zu bleiben.“

„Deshalb sollen die, denen es gegeben wird,“ sagte der Baron mit Betonung, „sich nicht dagegen sträuben, vorzugehen, wo es not tut!“

„Sträube ich mich etwa?“ rief Blücher lebhaft. „Wissen Sie, ob ich nicht schon eine Denkschrift in der Sache fertig habe?“

„Bei Ihrer Aversion gegen alles Geschreibsel?“ lächelte der Baron.

„Nun – wenn die Armee so heruntergekommen ist, wie Sie sagen, warum sollten die Generäle dann nicht auch zur Feder greifen und Tinte verspritzen statt Blut? Taugen wir weiter nichts – dazu taugen wir sicher! Da stehen wir auch unseren Mann, besser als die meisten von den Herren Diplomatikern!“

Und ohne die Entgegnung des Barons abzuwarten, zeigte er auf das Rathaus, an dem sie jetzt vorbeigingen, und fragte plötzlich:

„Waren Sie drin?“

„Wiederholt!“