»Vorwärts«, rief er lachend, »nun tanz mir noch einen Saltarello!«

Und das Kind eilte, die goldene Ernte bei seinem Gebieter in Sicherheit zu bringen.

»Mille grazie, Signore!« kam es von dem Alten zurück, die Gitarre zirpte — das Kind flog wieder im Kreise herum, sein Tamburin schlagend und schüttelnd, daß die Schellen klirrten — und niemand schaute zu — alle hatten nur Augen für den berühmten Tänzer!

»Fossano! Evviva, Fossano!« riefen sie und drängten sich um den Vielbewunderten, der da stand und die Huldigung über sich ergehen ließ.

»Hier trete ich nicht auf«, rief er, sich lachend wehrend, »hier bin ich nur Publikum! Schaut zu ihr hin! Die hat jetzt die Kunst zu vertreten!«

Und alles lachte und klatschte Beifall. Die Kleine tanzte wie um ihr Leben. Und Fossano, der sich doch immer als Mann der Öffentlichkeit geben mußte, ob er auftrat oder nicht, fing an, sie laut zu kritisieren und ihren Tanz zu verhöhnen, immer noch sich an das junge Mädchen wendend, hinter dem er stand, und das ihn groß anblickte, beglückt, von dem berühmten Tänzer überhaupt bemerkt zu werden.

»Du blickst mich so an«, lachte er, »als fürchtest du, ich würde dich lebendig fressen! Blick lieber die Drehpuppe da an! — Da kannst du sehen, wie der Tanz nicht sein soll! Oder gefällt's dir?«

»Ich weiß nicht!«

»Nein, du weißt nicht! Aber du ahnst es, und deshalb werde ich dir sehen helfen. Das Überschäumen des Blutes — der landesübliche musikalische Sinn ohne Sinn, den das Pack hierzulande immer hat — die Geilheit, die das Tempo gibt, solange sie da ist, und dann nicht mehr! Angelernte Bewegungen ohne innere Notwendigkeit! Die Poesie — die Innerlichkeit, der Drang, sich zu geben, fehlen! Ebenso das Können, die Fähigkeit, aus anderer Leute Seele Funken zu schlagen, zu zünden, mitzureißen und zu begeistern. Woher Geist nehmen — wo keiner ist!—Ein hübsches Spiel für die Augen, solange sie hübsch ist — und dann ist's aus! — Der Tanz da gibt nie im Leben eine Himmelfahrt! — Und wenn's im Leben versäumt wird, nachher ist's aus! — Hüpf zu!« rief er der Tänzerin zu. »Hüpf zu — und fall nicht! Denn nachher liegst du auf dem Rücken und zappelst, und da ist's aus mit dem Tanz, da hüpfst du nicht mehr!«