Der König war sehr aufgeräumt.
»Wir sind allerdings keine Tänzerin, mein lieber Vetter«, lachte er. »Aber wir wollen doch Ihre Dienste in betreff des Hemdes annehmen, damit Ihr nicht aus der Übung kommt! Wie wir hören, seid Ihr bei Eurer neuesten Eroberung, bei jener vielgerühmten italienischen Tänzerin, noch nicht so weit gekommen!«
Der Hof lachte. Carignan verbiß sich den Ärger.
»Macht deswegen kein betrübtes Gesicht, lieber Vetter«, fuhr der König gnädig fort. »Unsere königliche Fürsorge ist schon darauf bedacht gewesen, für Abhilfe zu sorgen! — Wir haben also angeordnet, daß die Dame Barberini im heutigen Ballett die Rolle der Venus zu übernehmen hat! — Wir haben von ihrer Sprödigkeit Euch gegenüber gehört! — Wir wollen sie denn unserem ganzen Hofe entschleiern — als gerechte Strafe für sie! — So bekommt Ihr sie auch einmal zu sehen!«
Der Hof war entzückt. — Carignan machte gute Miene zum bösen Spiel. — — Der Tag verging. Der Abend kam und mit dem Abend das Ballett.
Der ganze Hof war versammelt. Die Damen im Glanz ihrer Schönheit und ihrer Toiletten, vor allem die Damen des intimen Kreises: die Gräfin von Toulouse, Madame du Charolais, die Gräfin du Mailly und ihre beiden Schwestern. — Eine gewisse Unruhe hatte sich ihrer bemächtigt. Sie hatten alle von der neuen Schönheit gehört und der Neugier des Königs, sie zu sehen, geschickt entgegenzuarbeiten gewußt. Ihr Schicksal konnte davon abhängig sein, ob sie dem König gefiele oder nicht. Denn seine Entschließungen waren unberechenbar. Und sein Befehl, heute die gefürchtete Schöne vorzustellen, war so plötzlich gekommen, daß dagegen nichts hatte unternommen werden können!
Die Spannung stieg, je weiter der Abend fortschritt.
Ludwig lag, behaglich ausgestreckt, in seinem Fauteuil, in der ersten Reihe — er schien sehr aufgeräumt zu sein, plauderte angeregt mit seiner Nachbarin, der Gräfin von Toulouse, und blickte gelegentlich auch die Auftretenden an.
Endlich kam der große Moment, wo die Göttin der Liebe Paris naht. Barberina betrat die Bühne. Ein Ausruf der Bewunderung unter den Zuschauern! Dann wurde alles still. Auch der König schwieg und blickte, wie alle anderen, gespannt die schöne Erscheinung an.