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Seine Hoheit verbrachte eine schlaflose Nacht.

Das Fehlschlagen seines Planes mit Barberina war für ihn eine Katastrophe, die seine schönsten Hoffnungen vernichtete. Statt, wie er gehofft hatte, die Geschicke des Welttheaters zu lenken, war er mit einem Schlage in seine frühere Einflußlosigkeit zurückgeworfen und mußte sich auf die kleine Welt der königlichen Theater beschränken, wo niemand ihn respektierte — wo die kleinste Choristin ihn auslachen konnte.

In aller Frühe ließ er Fossano rufen, der nach langem Warten endlich erschien, müde, verschlafen und ebenso verärgert wie Hoheit selbst.

Er wurde mit den heftigsten Vorwürfen empfangen.

»Sie haben mich betrogen, Signore! Sie haben mich hintergangen! Sie haben die Barberina als eine makellose Künstlerin bei mir eingeführt! Sie haben ihre Gebrechen verheimlicht! — Diese scheußliche Verunstaltung, von der Sie wissen mußten, haben Sie verschwiegen! Sie haben mich blamiert, den ganzen Hof degoutiert — den Zorn des allerchristlichsten Königs gegen mich heraufbeschworen! Ist das der Dank für meine Protektion? — Schweigen Sie! — Reden Sie nicht! Machen Sie Ihre Verfehlung nicht durch Ausflüchte noch schlimmer! — Von jenem Leberfleck haben Sie gewußt! — Was sage ich, >Fleck<? Eine Landkarte war's! — Wer so etwas hat, zeigt sich nicht nackt — oder verdeckt sein Gebrechen mit Schminke! — Man renommiert doch nicht mit seiner Abstammung von Negern! Man kokettiert nicht mit einer Haut wie Ebenholz! Man tritt nicht vor den Augen Seiner Majestät auf, um seinen Schönheitssinn zu beleidigen und seine Geduld auf die Probe zu setzen! — Man erklärt sich unwürdig und bleibt dem Hofe fern! — — Und Sie selbst — wie haben Sie getanzt?! Miserabel — ganz miserabel!«

»Ich war wahnsinnig vor Eifersucht!«