»Dergleichen wird gewöhnlich nur unter den direkt Beteiligten ausgemacht! Hoheit wollen doch keine Blamage!« versetzte Fossano, schadenfroh lächelnd, schlüpfte durch die Tür nach der Wohnung hinaus und überließ den Prinzen seinem Schicksal.

Die arme Hoheit stand da, blickte unsicher bald nach dem Bett, aus dem ihm das unbefangenste Schnarchduett entgegentönte — bald nach der Tür, durch die er gekommen war — konnte sich aber nicht entschließen.

Wäre er allein gekommen — sicherlich wäre er seines Weges gegangen — er hätte ihr den Laufpaß gegeben, und die Sache wäre ohne Aufregung abgelaufen!

Aber jetzt hatte er einen Zeugen gehabt! — Jetzt ging's nicht ohne weiteres! Seine Reputation verlangte eine Aktion — oder man würde über ihn lachen! — Entsetzlich! Ihn, den Prinzen von Carignan, sollte man wegen einer hergelaufenen Tänzerin lächerlich machen können!

Er machte entschlossen einen Schritt auf das Bett zu. Die Knie wankten ihm, er sank auf ein Taburett nieder und wischte sich mit dem Spitzentaschentuch den Angstschweiß aus dem Gesicht, der schon durch die dick aufgetragene Schminke hindurchsickerte.

»Mein Gott, was mache ich nur?« flüsterte er. Aber sein gequälter Seufzer fand bei dem ruhigen, zufriedenen Schnarchen der Schlafenden nur eine alles andere denn beruhigende Antwort!


11

Draußen in ihrem kleinen Kabinett hatte Mama Campanini soeben ihre Andacht beendigt, sie putzte die Flamme der ewigen Lampe, bekreuzigte sich vor dem Muttergottesbilde, setzte sich an ihren Sekretär, schlug ein kleines, rot gebundenes Büchlein auf und vertiefte sich in die langen Kolonnen von Zahlen, die da untereinandergereiht waren.