Das Geschäft blühte. Die goldene Jugend von Paris wetteiferte um den Vorzug, ihre Schätze Barberina zu Füßen zu legen. Und Mama nahm den Tribut gnädigst in Empfang, buchte ihn gewissenhaft, um ihn später nutzbringend anzulegen, vertröstete die jungen Leute je nach Rang und Vermögen mit Hoffnungen oder Versprechungen und ließ keinen ohne die bestimmte Zusage ihrer Fürsprache gehen.
So nahm sie die Sünden ihrer Tochter auf sich. Kein einziger von den jungen, galanten Herren durfte der schönen Babara nahen, ohne vorher von der Mama ins Gebet genommen zu werden. Sie war das Fegefeuer, Babara das Paradies. Im Fegefeuer wurden sie geläutert. Dort ließen sie den irdischen Tand. Im Paradiese genossen sie überirdische Wonnen.
Die Mama prüfte sie auf ihre Vermögensverhältnisse und ihre Opferwilligkeit und erledigte alles Geschäftliche.
Babara erledigte gelegentlich den Rest — frei von aller Schuld. Sie war eben nichts als die gehorsame Tochter.
Auch das Geschäftliche gegenüber dem Himmel erledigte die Mama. Täglich ging sie zur Beichte und ließ sich die Sünden des vorhergegangenen Tages vergeben. Empfing dann die Tochter abends in neugewonnener Unschuld in ihrem Gemach, so saß die gute Alte im Vorzimmer, lächelte beglückt beim fernen Klang der Gläser und betete ihren Rosenkranz. Sie schlief dann den Schlaf der Gerechten und träumte von ihren Schätzen, die sich, dank der gehorsamen Tochter, wacker vermehrten.
Auch sie war enttäuscht über den bloß halben Sieg Babaras am Hofe. Aber Könige sind nicht im Sturm zu nehmen! Alles muß seine Zeit haben! Und inzwischen gab's ja zu tun!
Fossano war für sie erledigt. Sie sah ihn nur im Theater, wo sie nicht mehr mit ihm sprach.
Daß er sich rächen würde, wußte sie. Sie sah es aus den haßerfüllten Blicken, mit denen er ihre Tochter verfolgte, und wußte, daß er ihr auflauerte und nach einer Gelegenheit spähte, sie in ganz eklatanter Weise bloßzustellen.
Sie ließ sich aber nicht stören. Sie lebte in den Tag hinein und besorgte ihre Geschäfte pünktlich und gewissenhaft.
An diesem schönen Morgen war sie aber nicht ganz zufrieden, als sie ihr Büchlein mit den vielsagenden Zahlenreihen zuklappte. — Sie hatte gestern eine stattliche Summe im voraus buchen können, mußte sie leider aber heute mit einem Fragezeichen versehen.