»Er hatte die Güte, Eure Tochter von Fontainebleau hierher zu begleiten und ihr die lange Reise zu versüßen! Und, da hier alles schlief, mußte er ihr ja notgedrungen auch beim Zubettgehen behilflich sein! — Echauffiert Euch nur nicht deswegen! — Dergleichen kleine Launen werden bei Babara nie ganz zu vermeiden sein. — Das Herz muß dann und wann auch sein Recht haben. Wenn sie sonst nur gehorsam bleibt, so ist nichts verloren! — Der Mann, der heute abend hier soupieren wird — —«

»Ihr habt gelauscht!«

»Das hatte ich nicht nötig. Mylord sprach sehr laut. Und Ihr — — nun, Ihr scheint mir auch das rechte Wort gefunden zu haben! Haltet Euch den Engländer warm! Er wird Euch den Weg — drüben, in England — ebnen! Dort erst wird Babara zu Gold und Ehren kommen! Dort muß sie hin — hier hat sie verspielt! Bei Hofe wird sie nicht zu Geltung kommen. — Nach ihrem gestrigen Mißerfolge sicher nicht!«

»Von einem Mißerfolg kann bei ihr gar keine Rede sein! Ihr werdet wieder schlecht getanzt haben! Ihr werdet wieder versucht haben, sie aus der Stimmung zu bringen — von Eurer Niedertracht wäre es schon zu erwarten! Sie wird dann eben nochmals bei Hofe tanzen, aber ohne Euch! Ihr tanzt nie wieder mit ihr, dafür sorge ich!«

»Und wenn sie auch nochmals dort tanzen wird — die Augen des Königs werden nie wieder auf ihr ruhen, nachdem er sie einmal gesehen und unwürdig gefunden hat!«

»Das ist nicht wahr!«

»Ich war doch dabei! Ich habe ihre Niederlage mit eigenen Augen gesehen! Sie ist hier deklassiert! — Sie hat hier verspielt! Geht nur nach England — laßt sie durch Seine Lordschaft entführen! Aber raschen Entschluß! Schnelles Handeln, ehe der Zorn des Prinzen von Carignan verraucht! Folgt meinem Rat! — Mich werdet Ihr auch drüben finden! — Nicht am Theater! — Nein, ich habe etwas Besseres vor! Wenn mein Engagement hier aus ist, lege ich drüben in London eine Spielbank auf; Ihr könnt partizipieren, wenn Ihr wollt! Im Handumdrehen verdoppele ich Euer Vermögen und Ihr könnt Euch's noch auf Eure alten Tage leisten, Eurer Tochter zu gestatten, dem Lord Arundel die Treue zu bewahren!«

Hohnlachend ging er seines Weges und ließ die erbitterte Signora sitzen.

Eben wollte sie gehen, um ihrer ungehorsamen Tochter den Text zu lesen, da erlebte sie die letzte und schwerste Überraschung dieses verhängnisvollen Morgens.

Der Vertraute des Prinzen von Carignan in allen galanten Dingen, ein gewisser Herr de Thunet, der von Seiner Hoheit Gnade existierte und auf dessen Namen die Hotels der prinzlichen Mätressen stets gemietet waren, trat unangemeldet herein, ein Register in der Hand und von mehreren Helfershelfern begleitet. Ohne die Signora eines Blickes zu würdigen, klappte er sein Register auf, klemmte eine Hornbrille auf die Nase und fing an, die kostbaren Meubles zu bezeichnen, mit denen er im Auftrag Seiner Hoheit das Hotel ausgestattet hatte. Für jedes Stück machte er eine Aufzeichnung im Register, gab den Gehilfen einen Wink und, von festen Fäusten gepackt, wanderte das betreffende Möbel durch die Tür hinaus, trotz der entrüsteten Proteste der alten Dame.