»Nein!« antwortete Beß, errötete aber dabei, als hätte er eine Lüge gesagt. Warum, war ihm unfaßlich, denn er glaubte die Wahrheit gesprochen zu haben! Aber jenes Gefühl kam wohl nur davon, daß diese ihm höchst gleichgültige junge Dame an seiner Seite ihn durch ihre bloße Anwesenheit irritierte! — Er wußte in ihrer Gegenwart kaum noch mit sich Bescheid und wünschte sie im stillen dahin, wo der Pfeffer wächst!

Der Vorhang ging auf und machte allem Fragen ein Ende.

Der Regisseur trat vor und teilte dem Publikum mit, das pantomimische Ballett müsse leider heute ausfallen, da Demoiselle Barberini noch unter den Folgen ihres gestrigen Unfalles leide! Sie würde heute nur ein Menuett, einen schottischen Tanz und eine Tarantella tanzen und ließe um die Nachsicht des Publikums bitten.

Das Parterre knurrte und schien nicht übel Lust zu haben, dem Regisseur auch tätliche Antwort zu geben! — Die Apfelsinenmädchen machten reißende Geschäfte und sahen in kurzem ihre Körbe leer von den auch als Wurfgeschoß beliebten Früchten.

Aber die Ankündigung, daß John Rich, der alte Liebling des Publikums, als Ersatz einen »Saylor boys« und ein paar seiner Grotesktänze zugeben würde, verfehlte ihre Wirkung nicht. Die Unruhe legte sich, und die Vorstellung konnte weitergehen.

Anfänglich blickte Beß kaum hin, sondern saß im Hintergrund der Loge, in Gedanken vertieft, und die gingen alle zurück zu dem Gegenstand des gestrigen Abenteuers, von dessen Lieblichkeit er noch ganz erfüllt war. Schließlich aber glitten seine Blicke auch nach der Bühne — und da, von den wiegenden Rhythmen getragen, schwebte ihm eine Erscheinung entgegen, bei deren erstem Anblick ihm alles Blut zum Herzen strömte.

Sie — sie war's!

Er hätte zu ihr hinunterspringen mögen, sich ihr zu Füßen werfen — sie in die Arme nehmen und forttragen — irgendwohin, gleichviel wo, wenn er sie nur den Blicken all dieser Leute zu entziehen vermöchte, die sie mit ihrem Entzücken verfolgten, beleidigten, ja entweihten! Allein wollte er sie anbeten, ihr in seiner Seele einen Tempel errichten, wo sie allein herrschen sollte und er als ihr erster und einziger Diener der Vermittler zwischen ihr und dem übrigen Leben auf dieser Erde sein würde!

Er saß ganz still und wagte kaum zu atmen! Seine Blicke hingen wie festgebannt an ihr. Jede Linie, jede Biegung des schmiegsamen Körpers fesselte ihn mit unwiderstehlicher Gewalt. — Als sie aber wie ein Schmetterling über die Bühne flatterte und fast in seine Loge hineinfliegen zu wollen schien, da fuhr er auf und streckte die Arme gegen sie aus. Und er hätte jenen Unhold, mit dem sie tanzte, ermorden können, als er sie packte und mit seinem Raub davonstürmte.

Er schrie auf vor Wut ob der Beifallsstürme des Publikums!