Nur für ihn durfte sie da sein, nur für ihn tanzen! Ihm allein kam die Anbetung und die Verehrung zu! Das schien ihm von allem Anfang an so bestimmt! — Der Himmel hatte sie ihm gesandt — hatte ihr gegeben, ihm die Augen zu öffnen, und zwar nur, um in ihr das Höchste und Schönste im Leben zu verehren und daran selbst zur vollen Entfaltung seines Selbst zu erblühen!

So heftig äußerte sich sein Unwille über die »Zudringlichkeit« des Pöbels, daß es der Aufmerksamkeit seiner Gefährtin nicht entging. Um so weniger, da sie selbst mit Eifer an den Beifallsäußerungen teilnahm.

»Sie mögen sie nicht?« fragte sie und blickte ihn erstaunt an. Und er, der fürchtete, sich verraten zu haben, griff dankbar nach ihrer Deutung seines Benehmens und antwortete mit einem bestimmten Nein!

»Das wundert mich«, sagte die junge Dame in geringschätzigem Ton. »Ihresgleichen hat man, soviel ich weiß, noch niemals in London gesehen! Sie ist ja ein Wunder von Anmut und Grazie und tanzt mit einer Vollendung, die mich ganz entzückt!«

Zu dieser Belehrung schwieg Beß wohlweislich. Mehr als über deren Inhalt freute er sich über den kühl überlegenen Ton, in dem sie gegeben wurde! Und er nahm sich vor, sein möglichstes zu tun, um noch mehr in ihrer Achtung zu sinken. Er war zu gut erzogen, um ihr zu widersprechen, ließ aber auch kein Wort der Zustimmung laut werden. Und das schon war in ihren Augen ein unverzeihlicher Mangel an der schuldigen Galanterie.

Schweigend stand sie auf, ließ sich von ihm zum Wagen führen, sagte unterwegs kein Wort und machte nicht Miene, ihn zu überreden, als er die höfliche Einladung Sir Josuahs zum Souper ausschlug. Zum Erstaunen ihres Vaters ließ sie ihn seines Weges gehen.

So waren sie bereits wegen Barberina entzweit, wenn auch in ganz anderem Sinne, als es noch kommen sollte. Keinen Augenblick länger mochte er in der Nähe eines anderen weiblichen Wesens weilen, am allerwenigsten da, wo er zum Überfluß noch gebunden war.

Nach Hause mochte er aber auch nicht fahren.

Er wußte jetzt, wer seine Angebetete war — er mußte aber auch mehr wissen als den bloßen Namen. Und so entschloß er sich, trotz seines Widerwillens gegen geräuschvolle Gesellschaften, zum erstenmal, den Aufforderungen seiner jungen Standesgenossen nachzukommen, und ließ sich nach einem Gasthaus fahren, wo die jungen Leute von Welt zusammenzukommen pflegten.