»Und wenn ganz Paris und ganz London aufstünden, um gegen sie zu zeugen und zu erklären, ihre Gunst genossen zu haben, so erkläre ich, Lord Stuart, sie alle für Lügner und Betrüger! — Diese Dame ist rein wie ein Engel des Himmels! — Ich brauchte ihr bloß ein einziges Mal in die Augen zu blicken, um zu wissen: — hier, in dieser Seele, wohnt die Tugend, der kein Erdenschmutz etwas anhaben kann, wie nahe er ihr auch kommt! — Speit eure schmutzigen Verleumdungen über sie aus! — Ertränkt sie in all dem Unrat eurer Seelen — sie wird aus dem Schlamm emportauchen wie ein Schwan, rein und makellos und ohne Flecken auf dem weißen Gefieder! Zieht sie nur mit Gewalt zu euch hinab! Ihr kann das nichts anhaben — sie bleibt keusch und unberührt trotz allem! — Sie hat sich noch niemand wahrhaft ergeben, dafür setze ich die Ehre meines Namens als Pfand ein und verteidige ihre Ehre mit meinem Leben!« Und damit ging er.
Die anderen folgten. Gespielt wurde sowieso nicht mehr nach der unliebsamen Unterbrechung. Fossano ließ Geld und Karten einsammeln, rechnete mit seinen Markören ab und ging gleichfalls.
Er vergaß aber nicht, sich vorher Kunde zu verschaffen von Zeit und Ort des bevorstehenden Zweikampfes, dessen Details Lord Albermale noch auf der Stelle mit zweien seiner Freunde geordnet hatte.
Mit dieser großen Neuigkeit wartete er gleich am anderen Morgen der Mama Campanini auf.
»Freut Euch, Signora!« rief er gleich in der Tür. »Eure Tochter wird endlich auch hier in London ihren Weg machen!«
Die Mama sah von ihrem »Gebetbuch« auf, in das sie vertieft war, und dessen Zahlenreihen sie eben zum soundsovielten Male zärtlich beäugelt hatte. — In so dichten Kolonnen marschierten sie nicht auf wie in Paris. Aber immerhin mächtig genug, um dem Leben jeden Wunsch abzutrotzen.
»Sie wissen doch, Signore —« begann sie von oben herab —
»Chevalier —« korrigierte er mit Nachdruck.
»Meinetwegen auch Marquis«, sagte sie trocken. »Auch wenn Sie sich vergolden lassen, so ändert das nichts daran, daß wir Sie hier zu Hause nicht zu sehen wünschen! Meine Tochter hat nicht den Willen, noch irgendwie mit Ihnen in Berührung zu treten! — Und da das Haus ihr gehört, muß ich mich danach richten! Wir müssen unsere Geschäfte wie sonst abwickeln!«