»Trotzdem konnte ich mir nicht das Vergnügen versagen, Ihnen heute die große Neuigkeit brühwarm zu servieren! Und obwohl es nicht der Erste des Monats ist, bringe ich Ihnen heute schon Ihren Anteil am Gewinn mit!«
Er hielt ihr einen wohlgefüllten Beutel hin und ließ das Geld darin klirren. Der Klang des Goldes verfehlte seine Wirkung nicht. Die Alte nahm ihn, schüttelte ohne weiteres das Geld aus, zählte es durch und trug die Zahlen in ihr »Gebetbuch« ein.
»Ihr solltet mir Euer ganzes Vermögen anvertrauen, Signora«, sagte Fossano. »Bei mir verzinst es sich besser als in der Bank von England!«
»Mag sein!« antwortete sie. »Aber in der Bank von England liegt es sicherer! Euch traue ich nicht über den Weg, das wißt Ihr! Gebe ich Euch alles, so verschwindet Ihr auf Nimmerwiedersehen! Jetzt riskiere ich nur das, was wir zur Not entbehren können, obwohl Ihr's eigentlich gar nicht verdient, daß ich Euch irgendwie aushelfe!«
»Ihr verkennt mich, Signora«, lachte Fossano, »um Eure Hilfe ist's mir nicht zu tun, wenn ich Euch etwas bei mir verdienen lasse! Ich empfand so etwas wie Reue, als ich Euch das Anerbieten machte!«
»Ihr?!«
»Ja! Mein Dazwischentreten in Paris hatte die gewiß nicht beabsichtigte Wirkung, Eure Tochter auf die Bahn der Tugend zu drängen! Ich hielt es für eine Schrulle, eine augenblickliche Laune, als sie im ersten Ärger mit allen ihren Adorateuren brach! Aber es scheint mir doch ihr Ernst gewesen zu sein! Und so war es ja nur meine Pflicht, Euch den durch mich verursachten Ausfall an Einnahmen wieder hereinbringen zu helfen!«
»An Eure gute Absicht glaube ich nimmermehr!« sagte die Mama, die jetzt mit dem Nachzählen des Geldes fertig war. Sie stand auf, schloß den Beutel in ihren Sekretär ein und wandte sich wieder an ihn. — »Ihr brauchtet eben mein Geld, um Eure Spielbank einzurichten!«
»Geld hatte ich genug!«
»Dann wolltet Ihr also nur mit uns in Verbindung bleiben, um Euch gelegentlich an uns rächen zu können! — Ihr haßt meine Tochter! Ihr schreibt ihr Eure Niederlage in Paris zu, die Eurer Laufbahn als Tänzer ein Ziel setzte! Ihr wollt nicht einsehen, daß Ihr fertig wart — da Ihr, alt und verbraucht, nur noch an Eurem großen Namen zehrtet!«