»Ich hatte die Kühnheit, zu behaupten, daß Sie die Erotik, die in jenem Tanze steckt, mit einer Vollkommenheit zum Ausdruck bringen, daß einem dabei Hören und Sehen vergeht!«
»Sie sind sehr kühn!«
»Sie hatten selbst eine Aufklärung gewünscht! Ich kann Ihrem Befehl nur so nachkommen, daß ich Ihnen die mir von Ihren Tänzen eingeflößten Empfindungen getreulich wiedergebe! — Lord Stuart dagegen — aber Sie kennen ihn doch?«
»Ich hatte noch nicht den Vorzug!« sagte Barberina, die wohl ihren Retter von neulich erkannte, aber sich hütete, es zu verraten. Sie grüßte ihn mit einer knappen Neigung des Kopfes und blickte ihm mit so viel schelmischer Unbefangenheit in die erstaunten Augen, daß der arme Beß den Kopf gänzlich verlor.
»So gestatten Sie denn, daß ich ihn Ihnen vorstelle?« sagte Albermale, dem es doch zu bunt wurde, daß der junge Mensch wirklich rein »akademisch«, wie er dachte, für eine ihm gänzlich Unbekannte sein Leben in die Schanze schlug. »Lord Stuart neigte mehr zu der Ansicht, daß in jener Tirolienne, die Sie mit so viel Anmut zu tanzen pflegen, eine Apotheose der Tugend und der Keuschheit zu sehen sei — ja, daß es Ihnen überhaupt unmöglich sei, etwas anderes auszudrücken! Unsere Ansichten waren eben nicht in Einklang miteinander zu bringen! So mußten denn die Waffen entscheiden!«
»Mylord«, sagte Barberina spitz, »Ihre Darstellung entbehrt nicht der Pikanterie! Ich verstehe wohl den Ernst, der sich dahinter verbirgt, von dem Spiel der Worte zu unterscheiden! Ich möchte auch weder gegen die eine, noch gegen die andere Auffassung meine Stimme erheben! Es steht Ihnen ja frei, meine Herren, meinem Tanze all die Empfindungen abzugewinnen zu suchen, die Ihnen eben geläufig sind! Das ist stets die Angelegenheit des Publikums und geht die Tänzerin nichts an! Ich bemühe mich nur, nach bestem Können den Empfindungsgehalt des Tanzes bildlich darzustellen und bin gern bereit, neben der Stimme meines Gewissens auch ein sachverständiges und parteiloses Urteil zu hören! Über meine Person aber, die, wie Sie, Mylord, so richtig sagten, von meinem Tanz untrennbar ist, gestatte ich keinem fremden Urteil so laut zu werden, daß es mein Ohr berührt! Das entspricht nicht meinen Gepflogenheiten! Sowohl gegen Angriff wie gegen unerbetene Verteidigung meiner Person werde ich mich zu wehren wissen! Sie, meine Herren, haben gar kein Recht, um meiner Person willen handgemein zu werden! Sie werden also sicherlich nichts dagegen haben, meinen Wunsch zu erfüllen und von jeder Auseinandersetzung mit den Waffen aus diesem Grunde Abstand zu nehmen!«
Sie blickte die beiden Kämpfer an, die noch unschlüssig dastanden, und brach in ein helles Lachen aus, in das sie nolens volens einstimmen mußten.
»Geben Sie sich die Hände zum Frieden!« rief sie übermütig, »sonst — ich schwöre es — tanze ich nie wieder, weder Tirolienne noch irgend etwas anderes!«
»Großer Gott«, lachte Albermale, »dies Unglück muß verhütet werden! Um jeden Preis! — Mylord Stuart — da meine Hand! Ich nehme alles zurück! Ich gebe mich besiegt und bitte Sie um Entschuldigung!«
»Die nehme ich gern an«, sagte Stuart, dem die Situation peinlich wurde. »Ich bitte Sie ebenfalls, meine beleidigenden Worte zu vergessen!«