Er liebte — er hatte für sein Liebstes das Leben gewagt! Und er würde es noch tausendmal wagen! Gegen eine ganze Welt wollte er das Heiligtum verteidigen, das er in seinem Herzen aufgebaut hatte! Nichts — auch nicht, daß sie selbst sich es als eine Zudringlichkeit verbat, konnte ihn davon abbringen!
Mechanisch ging er seines Weges, und, war's Zufall, war's Absicht — seine Schritte führten ihn langsam nach der Gegend des Parks, wo er sie zum ersten Male gesehen hatte.
Barberina dagegen, kaum, daß sie in der Sänfte saß, fühlte so etwas wie Reue.
Jener junge Mann, mit dem sie kaum ein Wort gesprochen hatte, dem sie nur einmal begegnet war — der sie aus großer Gefahr gerettet hatte, er war der Verleumdung, der üblen Nachrede der Welt entgegengetreten! — Ohne Bedenken hatte er für ihren guten Namen sein Leben eingesetzt und sein Blut vergossen! Er hatte sie von dem Schmutz, in dem sie versunken war, mit seinem Blute reinwaschen wollen! — Niemals hatte sie sich vorher einen Gedanken über ihr Leben gemacht, sondern es hingenommen als etwas Selbstverständliches, als ein ihr obliegendes Lebensschicksal! — Jetzt aber gingen ihr die Augen dafür auf, wie elend ihr ganzes Dasein bis jetzt gewesen war, und auch dafür, wie unwürdig sie sei, jenes große, ihr von dem reinsten Empfinden dargebrachte Opfer anzunehmen!
Und wie hatte sie ihm dafür gedankt?
Aber wollte sie Herrin ihrer selbst bleiben, so hatte sie nicht anders sprechen können! Sie hatte eben so gesprochen, wie ihr der Schnabel gewachsen war, und die jungen Dandys ob ihrer Dreistigkeit zurechtgewiesen! Denn eine Dreistigkeit war's, das eine wie das andere! Weder hatte Albermale den geringsten Grund, schlecht von ihr zu sprechen, noch hatte sie Lord Stuart zu ihrem Retter erkürt!
Sie hielt inne.
Nicht sie — aber das Schicksal, das sie zusammengeführt hatte, hatte ihn erkürt! Er war im Recht! Sie sah noch seine großen erstaunten Augen, als sie sich seine Verteidigung verbat — die er als seine heiligste Pflicht empfunden hatte! Sie sah, wie er sie nicht verstand — sah unermeßliche treue Liebe in seinen Blicken — sah, was mehr war — den Glauben an sie, trotz allem!
Und wie hatte sie's ihm gedankt?!