»Bedenklich, nicht wahr?« fing der Franzose an.
»Allerdings! Aber durchaus nicht hoffnungslos!«
»Hab' ich auch nicht behauptet!«
»Wenn wir aber der Kranken heute etwas Blut ablassen — —?«
»Unter keinen Umständen, Sir William! Unter keinen Umständen! Keinen Tropfen Blut mehr — keinen Tropfen! Höchstens durch eine gelinde Reinigung des Darms ihr einige Erleichterung verschaffen!«
»Das hält sie noch weniger aus!«
»Sir William, ich gestatte mir, Sie darauf aufmerksam zu machen, daß auch gestern dieselbe Meinungsverschiedenheit zwischen uns bestand! Ich habe dann aus reiner Kollegialität nachgegeben! Wir haben sie dann zur Ader gelassen! — Mit welchem Erfolg?! — Nun, Sie haben eben daran gerochen!«
»Mein lieber und verehrter Herr Konfrater«, antwortete Sir William mit all der Würde, die seine fette Stimme aufbringen konnte, »wenn Sie gestern meiner Ordination den Vorzug gaben, so tat ich vorgestern Ihren Pillen dieselbe Ehre an! Ich neige auch zu einer leichten Reinigung des Darms, um ihn von den vorgestern eingenommenen Pillen zu säubern — aber nur auf dem einzig richtigen Weg eines milden Klistiers! Ich weiche aber nicht von meiner Ansicht, daß auch ein Aderlaß unbedingt nötig ist, und habe deshalb die Blutegel gleich mitgebracht!«
»Blutegel? Niemals!« rief der Franzose, entsetzt bei dem Gedanken, daß der Nebenbuhler seine Blutegel verkaufen würde. »Diese wilden Tiere sind sehr mit Vorsicht zu gebrauchen! Bei dem Schwächezustand der Patientin wäre das geradezu ein Frevel! Ein Tropfen zuviel könnte da eine Katastrophe herbeiführen! Wir haben es nicht in der Hand, die Raubgier jener Tiere nach Wunsch zu dirigieren! Ich schröpfe immer! Da weiß ich am besten die zu entnehmende Blutmenge genau zu bemessen! Ich willige in den Aderlaß ein, Sir William, aber nur, wenn Sie mich schröpfen lassen!«
»Wenn Sie mir zugestehen, auch mein Klistier in Anwendung zu bringen, so verzichte ich auf die Blutegel und akzeptiere das Schröpfen!« sagte Sir William phlegmatisch.