Das Duell mit Lord Albermale hatte ein gewaltiges Aufsehen erregt, um so mehr, als es von dem plötzlichen Verschwinden Barberinas von der Schaubühne begleitet wurde. Gänzlich davon abgesehen, wurde jene Begebenheit aber auch aus anderem Grunde zum Gegenstand des Spottes und der allgemeinen Lachlust. Der unverbesserliche Lord Albermale gab auch dafür den Anlaß.

Unter anderem war er nämlich auch ein leidenschaftlicher Verehrer des Hahnenkampfes und versäumte keine Gelegenheit, diesem in England so eifrig betriebenen Sport zu frönen.

So sah man Seine Lordschaft sich oft mit der übelsten Gesellschaft um die Arena drängen, wo irgendein berühmter Hahn sein Leben in die Schanze schlug. Die tollsten Wetten wurden von ihm eingegangen und verloren. Und wie wüst die Kämpfer sich auch zerzausten — der am meisten Gerupfte war am Ende stets der Lord! — Aber es machte ihm Spaß, sein Geld zu verlieren. Und so war er nicht nur in der Lebewelt, sondern auch unter dem Gesindel Londons eine der populärsten Persönlichkeiten.

Hogarth, der damals im Zenit seines Ruhms als rücksichtsloser Sittenschilderer seiner Zeit stand, hatte längst ein Auge auf ihn geworfen und ihn mehrfach als Prototyp eines Modegecken auf seinen Stichen abkonterfeit.

Lord Albermale, weit entfernt, es ihm übelzunehmen, war stolz darauf. Er hatte sogar eine ganze Menge Abzüge eines Stiches erstanden, auf dem er als Präsident des bunt zusammengewürfelten Publikums eines Hahnenkampfes dargestellt worden war, um sie seinen Freunden zu geben.

Er schloß sich eng dem Freundeskreis Hogarths an und verkehrte fast täglich mit ihm, zum nicht geringen Ärger seiner Standesgenossen. — Sie betrachteten ihn als das enfant terrible, das ihre kleinen Menschlichkeiten dem treffsichern Grabstichel Hogarths preisgab und diesen so in die Lage versetzte, sich an ihnen wegen ihrer Geringschätzung seiner Malereien zu rächen.

Der gute Lord hatte auch nichts Eiligeres zu tun, als seinem guten Freunde die näheren Details seines gloriosen Zweikampfes mit Lord Stuart zu schildern. Und das war für Hogarth ein gefundenes Fressen.

Sein Zeichenstift schwelgte in karikaturistischen Orgien — seine Kupferstecher kratzten und schwitzten — seine Pressen gingen Tag und Nacht! Und eines schönen Tages überraschte er seine Verehrer und Abnehmer mit einem neuen Stich, der reißenden Abgang fand und ungeheures Aufsehen machte.

Der Stich war eine Travestie seines eigenen, wegen Albermales bereits weitverbreiteten Stiches: »Der Hahnenkampf«.

Aber keine richtigen Hähne standen sich in der Arena gegenüber, sondern Mitteldinge zwischen Federvieh und Dandy — die Hahnenkämme zu federgeschmückten Dreimastern angeschwollen — die gerupften Körper in den modisch geschwungenen Linien von Fechtern stutzerhaft posierend. So standen sie einander gegenüber — die linken Flügel halb an die Seite gedrückt, die rechten gekreuzt — das rechte Bein vorgestreckt! — Die Köpfe der Kampfhähne aber waren deutlich erkennbare Karikaturen von Albermale und seinem jungen Gegner.