Um die zirkelrunde, tischförmige Arena herum rekelte sich die übliche Versammlung von Spielern, Beutelschneidern und allerlei Gesindel nebst ihren Opfern aus der besten Gesellschaft. Alle aber trugen die Gesichter von bekannten Aristokraten, Parlamentariern oder Großkaufleuten. Sir Josuah Crichton sowie sein edler Gönner Lord Stuart waren auch da, und mit ihnen mancher ihrer Standesgenossen.
Von der Seite aber, wo für gewöhnlich der Besitzer des Kampfhahns von dem ihm allein zustehenden Recht, den Fuß auf die Arena zu setzen, Gebrauch zu machen pflegte, war eben in kühnem Satz eine Tänzerin über die Häupter der Kämpfenden gesprungen. Man sah von ihr nur die Beine über das Ganze schwirren und die Waffen der beiden Kampfhähne auseinander schlagen. — Diese und die Zuschauer starrten mit weit offenen Mäulern und lüsternen Mienen dem über sie hinwegschwebenden Wunder nach — die Blicke an die Strumpfbänder gebannt, an denen eine Unzahl kleiner Herzen aufgereiht war. — Nur einer blieb teilnahmslos — der Mann am Eingang, dessen Züge eine sprechende Ähnlichkeit mit dem berühmten Minister Walpole verrieten, und der, ganz wie sein Ebenbild, mit dem Verkauf von Sitzen beschäftigt war. Wenn's auch keine Parlamentssitze waren, so schien doch der Profit, nach seiner vergnügten Miene zu urteilen, recht einträglich zu sein.
»Allerhöchst dero Pirouetten«, lautete die Unterschrift unter dem Stich. Und trotz des hohen Preises von einer Guinee für jeden Abzug ging er zu Tausenden ab.
Hogarth machte ein glänzendes Geschäft und konnte es sich leisten, sich für einige Zeit zurückzuziehen, um an einem neuen Gemälde zu arbeiten, das ihm wohl weder Gold noch Ehren einbringen würde!
Es konnte nicht ausbleiben, daß der Stich auch auf den Tisch Seiner Herrlichkeit, des Lords Stuart, flatterte. Und auch unter den Fakturen des Chefs des Hauses Crichton & Co. fand sich eines Tages ein Exemplar eingeschmuggelt. Die beiden würdigen Vertreter der Ehre und des Reichtums Englands hatten also das Vergnügen, sich selbst in gar nicht würdevoller Weise unter den Zuschauern des Hahnenkampfes abkonterfeit zu sehen, und vertieften sich in die Selbstbetrachtung, ohne eine Miene zu verziehen.
Die Wirkung war aber bei den beiden verschieden.
Sir Josuah gab in aller Ruhe und im trockensten Tone den Befehl, sofort eine Annonce aufzugeben, worin bekanntgemacht wurde, daß sein Kontor alle nur erlangbaren Exemplare des Stiches zum doppelten Preise aufkaufen würde. Er sandte seinen Prokuristen zu Hogarth und ließ ihm ohne Feilschen den von ihm verlangten Preis für die Platte und die noch nicht verkauften Exemplare auszahlen sowie ihm die schriftliche ehrenwörtliche Verpflichtung abnehmen, keine weiteren Vervielfältigungen des Stiches anzufertigen und die Originalzeichnungen zu vernichten. Nach Erledigung dieses Geschäfts ging Sir Josuah stillschweigend über die Angelegenheit zur Tagesordnung über und vertiefte sich in eine Kalkulation über die Gewinnung von schwarzem Elfenbein für Südamerika.
Lord Stuart dagegen trug nur äußerlich Ruhe zur Schau. Innerlich kochte er vor Wut. Und die Wut eines Engländers nimmt manchmal sonderbare Formen an. — Bei Lord Stuart schlug sie sich gleich auf die Würde und brachte eine eisige Unnahbarkeit hervor, die alles Leben um ihn lähmte. Alles schlich auf den Fußspitzen um Seine Herrlichkeit herum und bot den äußersten Scharfsinn auf, um die Ursache seines Mißvergnügens ausfindig zu machen und ebenso unmerklich zu beseitigen, wie sie entstanden war. Selbstverständlich ohne den Lord selbst darüber zu interpellieren oder irgendwie damit zu belästigen. Denn Fragen zu stellen, wo man selbst Augen und Ohren hatte, war im Hause Stuart zur Zeit der Wut Seiner Herrlichkeit mehr als lebensgefährlich.
Gelang es, den Grund seines Zornes zu beseitigen, so war alles gut und nahm von selbst wieder die gewohnten Formen an. Sonst konnte man auf Überraschungen gefaßt sein. Wie ein Blitz aus heiterem Himmel sauste dann urplötzlich das Endergebnis der Entschließungen Seiner Herrlichkeit auf das Haupt des damit bedachten Schuldigen oder Unschuldigen nieder. Aber Mylord verzog dabei keine Miene und verharrte in der Eisregion seiner unverletzlichen Würde.
Ein derartiges Einfrieren alles Lebens — wie diese einer Eruption entgegengesetzte Erscheinung wohl genannt werden darf — bereitete sich eben in der erlauchten Seele Seiner Herrlichkeit vor, als ihm der Besuch Sir Josuah Crichtons gemeldet wurde.