Eine Neigung des Kopfes teilte dem Hofmeister mit, daß der Lord empfangen wollte. Eine Handbewegung deutete ihm auch an, wo. Da er nicht verstand, aber auch nicht wagte, nach der Bedeutung der Geste zu fragen, so führte er Sir Josuah, zum Entsetzen Stuarts, der auf die Ahnengalerie gedeutet hatte, geradeswegs ins Allerheiligste — ins Arbeitszimmer hinein, wo sonst nur Mitglieder der allernächsten Familie empfangen wurden. Dieser Mangel an Distinktionsvermögen brachte ihm einen kalten Blick unter mäßig gerunzelten Brauen ein. Zitternd zog er sich zurück und ließ die beiden Herren allein.

Lord Stuart mußte also seinen Gast selbst in die Galerie hineinführen, ehe er sich herablassen konnte, seinen Mund aufzutun. Denn nur im Kreise seiner Ahnen konnte er so sprechen, wie's die Situation von ihm, einem Peer von England, verlangte! — Da allein war er sicher, es mit der gebührenden Würde tun zu können, ohne Gefahr zu laufen, das Gleichgewicht des Gemüts zu verlieren.

Mit einer Handbewegung stellte er seinem Gast alle die Stuarts vor und lud ihn dann ein, unter ihnen Platz zu nehmen! — Eine symbolische Handlung, deren hohe Bedeutung Sir Josuah nicht gebührend zu schätzen schien! Denn er lächelte belustigt und verstieg sich sogar zu der respektlosen Äußerung:»Ich könnte Eurer Herrlichkeit allerdings nicht mit derselben Ehrung aufwarten, falls ich bald einmal den Vorzug Ihres Besuches haben sollte! — Denn all die Heringstonnen, die ich dann als Ahnengalerie vor Eurer Herrlichkeit Augen auffahren lassen müßte, fänden in ganz Pall Mall keinen Platz!« Eine Bemerkung, die die Würde Mylords auf den Gefrierpunkt brachte!

»Als Staatsvisite habe ich Ihren Besuch auch nicht aufgefaßt, Sir Josuah!« sagte er, setzte sich zuerst und lud seinen Gast mit einer Handbewegung ein, seinem Beispiel zu folgen. »Ich gehe wohl auch in der Annahme nicht fehl, daß ein besonderer Anlaß Ihres Kommens vorliegt?«

»Sicher nicht!« sagte Sir Josuah und versenkte seine kugelrunde Gestalt in einen ebenso prachtvollen Thronsessel wie den Seiner Herrlichkeit. »Es liegen sogar ganz besondere Gründe vor!«

»Dürfte ich denn bitten?«

»Zunächst hätten wir einen Brief Ihres Herrn Sohnes —« Sir Josuah holte seine große Hornbrille hervor, putzte die Gläser und hakte das Ungetüm hinter den Ohren fest, faltete dann einen Brief auseinander und hielt ihn hoch. »Dieser Brief, den ich die Ehre haben werde vorzulesen — —«

»Ich darf wohl hoffen«, unterbrach der Lord, »daß jenes Schreiben nichts von Geld oder Geldangelegenheiten enthält? — Denn ich müßte sonst ablehnen, mich damit zu befassen und mich auf die Erklärung beschränken, daß ich meinem Sohn ausdrücklich verboten habe, in geschäftlichen Dingen irgend etwas ohne meine Erlaubnis zu unternehmen, sowie, daß diese Erlaubnis weder von ihm nachgesucht, noch von mir erteilt wurde!«

»Eure Herrlichkeit können in dieser Hinsicht ganz außer Sorge sein! Der Brief betrifft nur eine Herzensangelegenheit!«

»Da gestatte ich mir zu bemerken, daß er wohl falsch adressiert worden ist?«