»Was Sie sagen!«

»Ich muß sogar dringend auf der Erfüllung dieses Wunsches bestehen und hoffe, daß Eure Herrlichkeit dabei die ganze väterliche Autorität aufbieten wollen!«

»Sie sind sehr kühn!«

»Der Inhalt dieses Briefes wird meine Kühnheit rechtfertigen!«

»So lesen Sie ihn doch endlich vor!«

Sir Josuah schob seine Brille zurecht, gab dem Briefbogen einen Klaps, um ihm die nötige Strammheit beizubringen, und fing endlich an:

»Mein lieber Sir Josuah!

Als ein Mann von Ehre werden Sie einen Schritt billigen, den zu tun mir meine Ehre gebietet, auch wenn er Ihren Wünschen nicht entspricht! Kurz und gut — ich kann Ihre Tochter nicht heiraten! Ich habe mein Herz einer anderen geschenkt und ihr die Ehe versprochen! — Ich gedenke dies Versprechen, das ihr und mir das Lebensglück verbürgt, auch zu halten, trotz der Schwierigkeiten, die sich uns entgegentürmen werden! — Nichts wird mich davon abbringen! Werfen Sie mir nicht vor, ich hätte dies als Ehrenmann vor der Verlobung mit Ihrer Tochter erklären müssen. Ich war nicht in der Lage, es zu tun! Ich wußte nicht mit mir Bescheid! Ich hatte keine Ahnung von der großen Liebe, die jetzt mein ganzes Wesen erfüllt! Ich handelte wie im Traum! — Ich dachte mir die Ehe als etwas ganz Gleichgültiges, das man mit in den Kauf nehmen und der Entscheidung fürsorglicher Eltern überlassen muß! — Es war ein Irrtum! — Das Leben ist jetzt zu mir gekommen! — Ich habe gesehen, daß keiner außer mir die Macht haben kann oder darf, mein Leben zu gestalten, wenn meine Neigung mit im Spiele ist! Ich bitte das zu berücksichtigen und es mir nicht nachzutragen oder es gar als Schimpf auffassen zu wollen, wenn ich die Verbindung mit Ihrer Tochter hiermit löse. Aber auch wenn Sie mich nicht entschuldigen wollen — es könnte nichts an meinem Entschluß ändern, oder an der Hochachtung, die ich für Ihr Fräulein Tochter und für Sie selbst hege! Ich überlasse es Ihnen, die nötigen Maßnahmen zu treffen, und bitte Sie, Ihr Fräulein Tochter von meinem Entschluß in Kenntnis zu setzen!

In unabänderlicher Wertschätzung Ihr

Lord Stuart-Wortley-Mackenzie.«

»Mylord wollen sich selbst überzeugen?« sagte Sir Josuah nach beendigter Vorlesung, legte den Brief auf den Tisch, nahm die Brille ab und steckte sie in die Tasche. »Mylord wollen sich gütigst überzeugen, daß ich richtig gelesen habe!«

Lord Stuart erhob sich feierlichst zu seiner ganzen Größe und schlug zum erstenmal in seinem Leben mit der Hand auf den Tisch. Einmal nur! — Aber das genügte, um auch Sir Josuah aus der Tiefe seines Thronsessels emporschnellen zu lassen. Mit dem Blick eines Imperators verkündete dann Seine Herrlichkeit ihren Willen.