»Glaubst du?«
»Wie wäre etwas anderes möglich?«
Er schloß sie plötzlich in die Arme und küßte sie leidenschaftlich. Am anderen Ende der Galerie wurde ein heftiger Husten laut.
»Mein Vater!« flüsterte er und ließ sie schnell los. Rasch entschlossen nahm er sie dann bei der Hand und führte sie zu dem alten Lord, der steifnackig dastand und die Begleiterin seines Sohnes mit einer kaum merkbaren Neigung des Kopfes grüßte.
»Ich wußte nicht, daß du Besuch hattest!« sagte der alte Herr und auf Sir Josuah deutend: »Wie du siehst, habe ich auch welchen! Du mußt mich also entschuldigen!«
Er blickte Barberina prüfend an und mußte vor sich selbst zugeben, daß sie es mit jeder Dame der höchsten Aristokratie an Haltung und Eleganz aufnehmen konnte.
Die schlanke, biegsame Gestalt war eingehüllt in ein Kleid von neuester Pariser Mode aus heller, geblümter Seide. — Um die halbentblößten herrlichen Schultern hatte sie eine Mantille aus echten Spitzen — um den Hals das Diamantkollier König Ludwigs. Die Haare waren gepudert, aber weder Schminke noch Mouches auf den blühenden Wangen; die Augen sprühten von jugendlichem Übermut und Lebenslust.
»Mein Vater, Lord Stuart«, stellte Beß vor. »Sir Josuah Crichton!« Und Sir Josuah machte sein schönstes Kompliment.
»Mademoiselle interessieren sich für alte Gemälde?« fragte Stuart der Ältere und trat auf sie zu. »Da haben Sie in London gute Gelegenheit! Wir haben hier eine Reihe vorzüglicher Privatsammlungen. Aber — gestatten Sie mir, Sie auf einige Perlen meiner Galerie aufmerksam zu machen? Mein Sohn wird Sie etwas flüchtig geführt haben!«