»Das Leben ist kein Vergnügen, das Leben will verdient sein! Dir ist's gegeben, es dir mit den Beinen zu verdienen! Aber nicht so, daß du auf der Straße bettelnd herumstreichst, wie's sonst kommen wird! Sondern indem du die Gabe ausnützt, die dir der Himmel gab! Das Tanzen zum Vergnügen — wir wissen, wo das endet! In den Armen eines Burschen und dann in den Armen eines anderen und dann im Rinnstein! — Ins Elend führt der Tanz! Nein, da werde ich schon vorsorgen!«
»Ich will's aber nicht! Ich will nicht!«
»Ich will aber. Und du hast dich danach zu richten. Gehorchen sollst du, ob du willst oder nicht, wo deine Mutter nur dein Bestes will!«
Sie wollte gehen. Und da mußte Babara lieber mit der Einladung herausrücken.
»Ihr braucht nicht zu ihm zu gehen«, sagte sie schmollend. »Er hat mich gebeten, heute abend ins Theater zu kommen! — Mit Euch soll ich hinkommen! Und nachher will er uns sprechen!«
Die Alte sank auf einen Stuhl nieder.
»Und das verheimlichst du mir?!«
»Ich wollte nicht hin! Ich gehe auch nicht! Er macht sich nur lustig über mich! Ich mag nicht, daß er über mich lacht!«
Eine schallende Ohrfeige war die Antwort. Und dann prasselte eine Flut von Schimpfworten auf sie nieder. »Du Schlampe, du faules, nichtsnutziges Ding! Lumpenprinzeßchen du! Du blähst dich auf und zierst dich und dünkst dich zu vornehm, etwas zu tun, um im Leben vorwärtszukommen! Als ob du auf Gott weiß was für großen Reichtümern säßest, so hast du dich! Und dabei hast du nichts als das bißchen Jugend, das bald vorüber ist! Du willst nicht?! Ja, sag' einer bloß! Schämst du dich gar nicht, solche Launen zu haben?! Du Undankbare! Denkst du denn gar nicht an deine alte Mutter, die sich um dich geschunden hat und bald nicht mehr imstande sein wird, sich weiter für dich abzurackern? Und dann — was dann? Dann bist du auf dich angewiesen — dann mußt du verhungern, so ein faules und vergnügungssüchtiges Ding wie du!«
»Scheltet nur, soviel Ihr wollt! Ich gehe doch nicht! Und wenn Ihr mich noch so schlagt!«