Sir Josuah lächelte.

»Das ist nicht meine Erfindung! Und übrigens — am Theater werden Sie's gesehen haben!«

»Verlassen Sie mich!« — Barberina stand plötzlich kerzengerade vor ihm und zeigte auf die Tür. Er war aber nicht aus dem Gleichgewicht zu bringen.

»Beruhigen Sie sich, Mademoiselle«, lächelte er, »ich handle nur mit Schwarzen! Die zählen ja kaum noch zu den Menschen! Sie sind aber als solche gut zu gebrauchen! Sie lernen schnell und sind verschwiegen! Die besten Hüter der Boudoirgeheimnisse, die man sich wünschen kann!«

Barberina wandte sich ab, um ein Lächeln zu verbergen. Er sah es und beeilte sich, hinzuzufügen:

»Übrigens versetze ich sie aus einem halb tierischen Zustande in menschenwürdige Verhältnisse! Ich bin also geradezu ihr Wohltäter! Sie werden ihn doch gut behandeln?!«

»Sicher! Wo haben Sie ihn gekauft?«

»Ich kaufe nicht! Ich bediene mich nicht der Sklavenhändler. Ich rüste selbst Expeditionen aus, führe Krieg, mache Gefangene und verkaufe sie dann dort, wo ihre Arbeitskraft benötigt wird!«

Er fing zu erzählen an und gab ihr rasch einen Einblick in die Geheimnisse des echt englischen Geschäfts mit »schwarzem Elfenbein«. Vor ihren entsetzten Augen rollten sich grausige Bilder auf von Mord und Raub und gewaltsamem Zerreißen aller menschlichen Bande. Sie sah in der Phantasie das Treiben auf den Menschenmärkten, wo der Gatte der Gattin, die Kinder den Eltern genommen wurden — sah in engen Schiffsräumen zusammengepferchte menschliche Leiber, in Ketten geschlossen, von Hunger verzehrt, von Krankheiten dahingerafft — die Überlebenden zu Skeletten abgemagert, dem traurigsten Schicksal entgegengeführt. — Und alles, damit England groß und mächtig werde, indem jener dicke, feiste Kerl, der da vor ihr stand, und viele seinesgleichen sich die Taschen mit Gold füllten!

Sie begriff auf einmal, daß er sich auch noch erdreistete, mit seinen plumpen Händen in die Poesie ihres eben erwachten Empfindungslebens eingreifen und kalten Blutes über das Glück zweier Menschen hinwegschreiten zu wollen, nur um seine geschäftlichen Interessen zu fördern! Keine Strafe schien ihr da schwer genug! Sie schauderte ob der selbstgefälligen Nonchalance, mit der er sein schandbares Gewerbe als durchaus ehrenwert und verdienstvoll hinzustellen wagte, und rief voll Entrüstung: