Während sich die Zuschauer in dichten Massen am Bühneneingang und im Hof der Pilotta stauten, um ihm bei der Abfahrt vom Theater ihre Huldigung darzubringen, wurden Babara und ihre Mutter zu ihm geführt. Er empfing sie im Foyer der Solisten, immer noch im Kostüm, jetzt ganz der große Künstler, vornehm, herablassend, sie kaum eines Grußes würdigend.

»Ah — sieh da — die kleine Bekanntschaft von heute früh! Nun — du hast es jetzt gesehen! — Es ist kein Kinderspiel, so leicht es auch aussieht! — Arbeit, harte, emsige Arbeit — wenn einer es so weit bringen will — und — Talent, versteht sich — vor allem Talent! Nun — wir werden sehen, was mit dir los ist! Ich werde dich erst ausprobieren! Du wirst gleich im neuen Ballett mittanzen — du brauchst keine Angst zu haben! Es gilt da noch lange keinen Kunsttanz — es ist gar nicht schwer! Du brauchst bloß zu verstehen, was du darzustellen hast — ich mach es dir klar — ich übe es mit dir ein! Kannst du das bewältigen — und ich erwarte es von dir — dann werde ich dich unterrichten — dann wirst du meine Schülerin sein!

Erst will ich aber sehen, ob du Talent hast, und ob ich dir mit gutem Gewissen raten kann, Tänzerin zu werden! Und ich glaube, ich werde es können ——«

Domina Campanini ließ die Tochter nicht zu Worte kommen. Sie floß gleich über vor Seligkeit und Rührung, küßte Fossano die Hände und rief den Segen aller Heiligen auf ihn herab. — Er würde schon sehen, daß er sich nicht geirrt hätte! Die Babara hätte Begabung wie wenige! Seit sie klein war, hätte sie getanzt — wie eine Sylphide — wie eine Elfe — wie ein Engel Gottes! Und sie hatte es von sich aus — ganz allein hätte sie sich alles, was sie könnte, ausgedacht! Denn sie wären arm, sie hätten nichts, womit sie den Unterricht hätten bezahlen können — —

Hier stockte ihre Suada. Sie bekam plötzlich Angst, er würde sie nicht als Schülerin aufnehmen, wenn sie nicht zahlen könnte!

»Aber was sein muß, muß sein«, sagte sie dann rasch, ehe er noch antworten konnte. »Ich werde arbeiten gehen, ich werde verdienen — ich habe auch Verwandte und gute Bekannte, die alle gern helfen werden, damit meine Baberina ihr Glück machen kann — sie müssen alle was beisteuern, denn der Unterricht bei solch großem Meister kostet doch wohl viel ——?«

Hier stockte sie wieder, in der Erwartung, er würde ihre versteckte Frage mit der Erklärung beantworten, es koste bei ihm nichts! Er empfand das und wollte es auch gleich sagen, hielt aber inne und blickte Babara an. Ein unbestimmtes Vorempfinden sagte ihm, daß er vielleicht doch in die Lage kommen würde, einmal Entgelt von ihr zu verlangen!

Er lächelte also bloß, winkte der Alten gnädig zu, blickte Babara an und sagte:

»Das wird sich später finden! Vorerst wollen wir sehen, ob du was taugst, und dann fleißig lernen!«