Er hielt ihr die Hand hin, die die Alte schnell ergriff und mit Küssen bedeckte, streichelte Babara die Wange, nickte herablassend und ging in die Garderobe. Die Audienz war zu Ende.


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Er hatte sich nicht geirrt. Babara strotzte von Talent. Sie war ein Genie — von einer Ursprünglichkeit in ihrer ganzen Art, sich zu geben, und von einer Poesie der Unberührtheit, die, im Verein mit ihrer jugendlichen Anmut, einen unbeschreiblichen Reiz ausübte.

Sie lebte noch in der Ahnung, da aber stark und voll, mit der ganzen Keuschheit einer natürlichen Leidenschaftlichkeit, die sich ihrer noch nicht bewußt geworden war. Sie hatte, obwohl noch Kind, die Kraft voll entwickelter Triebe. Und die erste Aufgabe seiner Erziehung wurde: sie bewußt einzudämmen, sie zu leiten und erst allmählich zu entfesseln, indem er sie mit ganzer Gewalt auf die Kunst losließ, ihr aber das Leben im übrigen verschloß.

Das Leben im Kunstwerk sollte zunächst ihr Leben sein. Wenn sie da alles erschöpft hätte, dann erst wollte er sie freigeben, denn dann wäre es notwendig zur vollen Entfaltung! Erst den Gipfel besteigen, und dann erst den Abflug!

So aber, wie sie jetzt war, war sie prädestiniert dazu, die Psyche zu geben! Dafür hatte sie von Natur aus alles in so reichem Maße, daß er nur leise daran zu rühren brauchte, damit sie es hergab, mit einer Sicherheit der Empfindung und einer Vollendung, die durch kein Studium je erreicht werden kann, wenn sie nicht von vornherein da ist.

Hatte sie es einmal erfaßt, so war sie sofort mittendrin, kaum daß er ihr den darzustellenden Vorgang erzählt hatte! — Sie war Psyche, wie sie ihm in seiner kühnsten Phantasie vorgeschwebt hatte! — Und seine ganze Lehrtätigkeit konnte sich darauf beschränken, ihr die Situationen zu erklären — ihr die Stellungen zu zeigen und die einfachen kunstlosen Tanzschritte mit ihr einzuüben, deren sie bedurfte — kurz, dem Gedicht, in dem sie auf der Bühne zu leben hatte, das Gerüst zu geben!