»Der Entschluß ehrt Sie«, sagte sie, »und verdient immerhin ernst genommen zu werden. Ich will aber die Situation nicht mißbrauchen. Überlegen Sie sich den folgenschweren Schritt erst reiflich, und wenn es Ihnen Ernst ist, so kommen Sie in zwei Wochen nach Paris, wohin ich morgen gehen muß, um mein Engagement anzutreten. Wenn Sie Ihr Anerbieten dann wiederholen, so glaube ich Ihnen versichern zu können, daß ich Ihnen zum Altar folgen werde!«

Sie reichte ihm die Hand, die er küßte.

»Bis dahin werden wir uns aber nicht mehr sehen«, sagte sie noch. »Ich nehme jetzt Abschied von Ihnen!«

Sir Josuah versicherte ihr, daß er gar keine Zeit zur Überlegung brauche. Sie könne ebensogern heute wie nach zwei Wochen »ja« sagen und auch auf ihr Pariser Engagement ohne weiteres verzichten. Aber sie war unerbittlich. Und er mußte ihr ihren Willen lassen. Seufzend verabschiedete er sich, warf sich in seinen Wagen und fuhr nach London zurück.

Und Barberina setzte sich an den Schreibtisch, um ihrem Beß zum ersten Male seit der Trennung zu schreiben.

»Ungetreuer!

Nicht genug, daß Du ohne Abschied fortgingst — keinen Gruß, keine Zeile Deiner Hand ließest Du mir diese ganze lange Zeit zukommen! So hast Du mich denn vergessen! Ich verlasse jetzt England, um in Paris meine Kunst weiter auszuüben! Aber nicht auf lange Zeit — denke ich! Der recht ehrenwerte Sir Josuah Crichton hat mir die Ehe angetragen! Und da Du wohl kaum etwas unternehmen wirst, um das zu verhindern, wirst Du mich bald, statt als Deine Frau, als Deine Schwiegermutter begrüßen können! Bis dahin lebe wohl!

Barberina.«

»Wenn ihn das nicht dazu bringt, die Fesseln zu sprengen, dann wäre ich wirklich imstande, den anderen zu nehmen!« sagte sie rachsüchtig. »Dann glaube ich an keine Liebe mehr! Dann ist mir das Leben einerlei, wie es auch kommt!«

Sie schickte ihren Mohren, auf dessen Treue sie sich verlassen konnte, ab, den Brief zu überbringen.

Mama Campanini aber, der sie das Anerbieten Crichtons mitteilte, war vor Freude außer sich. Ihr Entzücken steigerte sich zum Triumph, als ihr alter Feind Fossano sie aufsuchte, um sich neues Geld für seine gesprengte Bank zu borgen, und sie ihm die große Neuigkeit auftischen konnte.

Bald wußte es ganz London, zum großen Leidwesen Sir Josuahs, der gehofft hatte, die Angelegenheit im stillen zu erledigen und die Welt mit einem fait accompli überraschen zu können.