Viertes Buch
Fridericus Rex
16
Es war ein bitterkalter Januarmorgen im Jahre 1744. Vom Turme der Garnisonkirche zu Potsdam schlug es fünf, und das Glockenspiel klimperte seinen Choral ins Dunkel hinaus. Die Stadt schlief noch.
Im Stadtschloß war es aber schon seit einer Stunde lebendig. Von der Brücke aus konnte man Licht in einem der ersten Fenster des linken Flügels sehen, wo der König residierte.
Die Ofenheizer waren schon dabei, in den Kaminen Holz und Kohlen aufzuschichten. Im Vorzimmer wartete der Kammerdiener Michaelis.
Als der letzte Schlag aus dem Turme verklungen war, trat er durch das Schreibzimmer ins Schlafzimmer, gefolgt von den Heizern, die sich sofort anschickten, das Feuer im Ofen anzumachen. Er ließ die Kerzen in der Krone anstecken, öffnete die silberne Balustrade nach dem Alkoven, zog die hellblauen Vorhänge auseinander und trat an das von einem Baldachin überdachte Bett heran, dessen versilberte Schnitzereien im Schein der Kerzenflammen fröhlich aufglänzten.
Der König schlief noch fest.