Rechts vom Bett stand die Tür zum kleinen, runden »Konfidenzzimmer« halb offen, wo Friedrich seine intimen Soupers abzuhalten pflegte, bei denen keine Bedienung anwesend sein durfte.
Über dem runden Tisch glimmte noch eine fast niedergebrannte Kerze in der vielarmigen Bronzekrone und warf ihren flackernden Schein über das kleine, intime, ganz in Rosa und Gold gehaltene Kabinett. Der Tisch war mit den Resten des gestrigen Soupers bedeckt.
Schnell ging der Kammerdiener hinein, ließ die leeren Flaschen durch die Öffnungen an den Seiten des Tisches hinuntergleiten, schob Geschirr und Gläser auf die Mitte des Tisches zusammen und drückte auf einen Knopf. Die Tischscheibe senkte sich lautlos mit allem, was darauf stand, in das unten befindliche Kredenzzimmer hinab. Er zog noch kräftig an einer Klingelschnur, um die Bedienung da unten aufmerksam zu machen, löschte die hinsterbende Flamme aus, ging wieder in den Alkoven hinaus und schloß lautlos die Tür. Feierlich trat er dann an das Bett heran und hustete dreimal laut und vernehmlich.
Der Eroberer Schlesiens ließ sich nicht stören.
Der Kammerdiener streckte die Hand aus und berührte die Schulter des Schlafenden. Umsonst.
Der König drehte sich auf die andere Seite und schnarchte weiter. Er hatte den Schlaf offenbar sehr nötig heute, und es tat dem getreuen Diener im Herzen weh, ihm die Ruhe nicht gönnen zu dürfen. Er hatte aber bestimmte Befehle und hatte sofortige Entlassung zu gewärtigen, wiche er nur einen Zoll breit vom Pfade des Gehorsams ab.
Seufzend trat er an die Waschtoilette heran, entnahm einem ihrer Schubfächer eine zusammengefaltete Serviette, tauchte sie in Wasser und legte sie dann auf das Gesicht des Schlafenden.
Fluchend setzte sich Friedrich auf, lachte aber laut, als er das erschrockene Gesicht von Michaelis sah.
»Hast heute wieder zum Äußersten greifen müssen?« sagte er gähnend und schielte nach der Tür des Konfidenzzimmers.
»Eure Majestät hatten streng befohlen — —« stotterte der Diener beklommen.