»Es wäre dir schlecht bekommen, hättest du da nicht Ordre pariert!« sagte Friedrich gelassen und ließ sich die Strümpfe und die schwarzsamtenen Hosen reichen. »Aber es ist schlimm, sehr schlimm! Wie lange hast du heute Reveille geblasen?«
»Eine Viertelstunde!« antwortete Michaelis.
»Wir können nicht soviel Zeit verlieren! Das gestrige Souper hat zu lange gedauert! Die Dame Cochois wird nicht mehr hierher befohlen!«
Er ließ sich die hohen Stiefel anziehen, trat aus dem Alkoven heraus und nahm in einem Sessel am Feuer Platz.
Michaelis zog zweimal die Klingelschnur an der Wand und trat dann an den König heran, um ihm die Haarpeitsche zu machen.
Ein Kammerpage kam mit einem Korb herein, in dem die soeben eingegangenen Briefschaften lagen, kniete vor dem König nieder und hielt ihm den Korb hin.
Friedrich entnahm ihm Brief für Brief, prüfte sorgfältig Aufschrift und Siegel, warf diesen oder jenen ungeöffnet in den Ofen, machte die anderen auf, las den Inhalt halblaut durch und schichtete die Briefe in drei Haufen auf den neben ihm stehenden Tisch. Im ersten Haufen bekamen die Briefe einen Kniff nach innen — im zweiten einen nach außen und im dritten einen nach innen und nach außen, je nachdem, ob sie abschlägig beantwortet werden sollten oder nicht, oder ob die Antwort noch ungewiß sei.
Einen einzigen Brief behielt der König heute auf den Knien. Der Inhalt dieses Briefes mochte nicht angenehmer Natur sein. Denn nach Lesen der ersten Worte hielt er unwillig inne, las den Rest gegen seine Gewohnheit still durch und machte dabei so zornige Bewegungen, daß Michaelis den Haarbeutel wiederholt neu binden mußte.
Ein scharfes: »Nimm dich besser in acht!« wurde ihm höchst ungnädig zugerufen. Und der Kammerpage mußte mit dem geleerten Korbe wieder abziehen, ohne vom König einen Blick, geschweige denn einen Gruß zu erlangen.