Friedrich las den Brief noch einmal durch.
»Eine süffisante, kapriziöse Kreatur wie all die anderen Mamsells! Ohne Gewalt nicht zur Räson zu bringen!«
Er warf den Brief zu den anderen.
Michaelis, der inzwischen mit dem Frisieren fertig geworden war, öffnete eine Tür links im Alkoven und ließ den Kammerhusaren herein, der ohne weitere Zeremonien das königliche Gesicht einzuseifen begann. Er hatte keinen leichten Stand.
Friedrich war äußerst nervös und aufgeregt. Seine gewöhnliche Ruhe und Überlegenheit schienen ganz geschwunden. Er saß keinen Augenblick still. Der arme Kammerhusar bekam Angst, ihn zu schneiden; seine Hand fing an zu zittern, und er mußte die ganze Ungeduld des Königs über sich ergehen lassen.
»Er ist heute aber auch zu ungeschickt!« rief Friedrich, dem beim Einseifen ein wenig Schaum in den Mund gekommen war. Er schielte mißtrauisch nach dem Messer, das sein Getreuer über einen ledernen Riemen hin und her gleiten ließ.
»Nehme Er sich zusammen! Kratzt Er mir nur die kleinste Ritze in die Haut, so kommt Er noch heute nach Spandau!«
Der Kammerhusar setzte das Messer an und begann zu schaben, kam aber nicht weiter als bis zur halben Wange, als Friedrich ihn sans façon beiseiteschob und Michaelis winkte, der mit einem Waschbecken in einiger Entfernung wartete.
»Winterfeldt!« befahl der König.
Michaelis stellte das Becken fort und ging, immer noch die Serviette in der Hand, zur Tür des Schreibzimmers, öffnete sie und ließ den Generaladjutanten herein.