»Eh bien!« sagte der König. »Wer ist zur Audienz da?«

»Der Staatsminister von Podewils, der Finanzminister Boden, Baron von Pöllnitz —«

»Der Schwätzer! Und Knobelsdorff? Ich hatte ihn heute befohlen!«

»Knobelsdorff hat sich krank gemeldet!«

»Das sind leere Exkusen! Er hat sich echauffiert, weil er mein Sommerhaus draußen in den Weinbergen nach meinem Kopf bauen muß! Geh Er hin zu ihm! Er soll mir heute bei der Parade seine Krankheit präsentieren! Wir werden ihn höchstselbst kurieren! Zum Diner werden heute befohlen: Pöllnitz, Maupertuis, der malade Knobelsdorff und Er selbst! Lege Er die Liste der Herrschaften, so Audienz haben wollen, draußen auf meinen Schreibtisch! Au revoir!«

Winterfeldt salutierte und ging.

»Nun kratz endlich zu! Sonst wirst du, meiner Seele, nimmermehr fertig!« herrschte Friedrich den Kammerhusaren an. Und dieser kam denn endlich dazu, seine kitzliche Arbeit ohne weitere Störungen zu beenden.

Friedrich musterte sein Gesicht genau im Spiegel. Er schien eher ärgerlich als zufrieden damit zu sein, daß nicht die geringste Schramme zu sehen war, und fertigte sein Faktotum ab mit einem kurzen: »Er kann gehen!«

Darauf befahl er die Kabinettsräte, die die aufgeschichteten Briefe an sich nahmen, kurz den Inhalt referierten und die Antwort des Königs auf der Rückseite notierten. Sie entfernten sich dann, um die Antworten ins reine zu schreiben, und ließen nur den einen Brief zurück, dessen Inhalt den König so sehr geärgert hatte, und den er nochmals las und wieder hinwarf.