Dann stand er auf, entnahm einem Etui auf der weitbauchigen Kommode zwischen den Fenstern eine Flöte, ließ die beiden Windspiele, die die letzte Nacht nicht in seinem Bett, sondern im Vorzimmer verbracht hatten, ein und ging, von ihnen umwedelt, ins Schreibzimmer, um den Kaffee zu trinken.
Der Kaffee mundete ihm heute nicht. Gegen seine Gewohnheit trank er nur eine Tasse, nahm dann die Flöte und fing, auf und ab gehend, an zu blasen. Aber die Hunde wollten nicht Ruhe halten. Sie witterten die Nervosität und die Verstimmung ihres Gebieters und waren auch ob der nächtlichen Zurücksetzung indigniert. Nach den ersten paar Takten fühlten sie sich bemüßigt, auch ihrer Verstimmung in Tönen Luft zu machen, und heulten brav mit.
»Tu beau, Biche!« rief Friedrich und blies weiter. Aber Biche war nicht zu besänftigen, und auch Alkmene machte brav die Musik mit.
Halb belustigt, halb geärgert, legte Friedrich die Flöte fort, nahm die Liste der im Audienzzimmer Wartenden in die Hand und las sie laut durch, während er im Zimmer auf und ab ging. Einen Augenblick blieb er stehen und blickte durchs Fenster in den grauenden Tag hinaus. Unter der Linde draußen auf der Straße standen ein paar Leute und stampften und froren ganz erbärmlich!
»Michaelis!« rief der König. »Laß den Leuten ihre Suppliken abnehmen! Wenn sie da stehen sollen, bis ich Zeit für sie habe, frieren sie mir fest und machen die Aussicht malproper! Und laß mir den Staatsminister herein!«
Michaelis ging in das kleine ganz mit Zedernholz getäfelte Kabinett, das das Schreibzimmer des Königs von den übrigen Gemächern trennte, schickte einen Lakaien die von dort direkt nach dem Lustgarten führende kleine Treppe hinunter, um den Befehl auszuführen, öffnete dann selbst die Tür zum angrenzenden Musikzimmer, wo die zur Audienz Befohlenen warteten, und machte dem Herrn Staatsminister feierlichst die befohlene Mitteilung.
Podewils verfügte sich zu Friedrich hinein und mußte zu seinem Schrecken wahrnehmen, daß sein allergnädigster Gebieter sich über Nacht in das Gegenteil verwandelt hatte.
Friedrich saß im Sofa hinter dem Schreibtisch, den ominösen Brief in der Hand, und lächelte seinen Staatsminister sarkastisch an.