Die Minister standen im Kreis da und harrten des Gebieters. Friedrich, den Hut auf dem Kopf, den Krückstock in der Hand, trat zu ihnen hin, musterte sie alle scharf der Reihe nach und blieb dann vor seinem Justizminister Cocceji stehen.
»Heute sind wiederum Briefe eingelaufen, worin über eine verdorbene Justiz in meinen Landen geklagt wird! Ich kann nicht länger dazu stilleschweigen!« sagte er ärgerlich. »Wenn ich mich selbst darein melieren muß, so befehle ich Ihm denn, an alle meine Justizkollegien eine nachdrückliche Ordre ergehen zu lassen, worinnen diese angewiesen werden, bei Vermeidung hoher Bestrafung darauf zu arbeiten, daß jedermann ohne Ansehen der Person eine solide Justiz administrieret wird. Die Ordre ist mir morgen vorzulegen!«
Sprach es und drehte Cocceji, der noch niemals ein hartes Wort von ihm zu hören bekommen hatte, den Rücken und wandte sich an den nächsten mit einer kurzen Anfrage über den Stand der Hafenbauten in Swinemünde sowie über die Arbeit an dem Oder-Spree-Kanal, bekam aber, statt klaren Bescheid, eine ausweichende Antwort, die anzunehmen er heute am wenigsten gesonnen war.
»Herr, Seine Entrepreneure sind Tagediebe und faule Bäuche!« sagte er barsch und klopfte dem Minister mit der brillantierten Krücke seines Stockes auf die Schulter. »Der Kanal muß ohnfehlbar und sonder einiges Räsonieren ganz und gar fertig und in brauchbarem Stande sein! Das merke er sich!«
Bei jedem Worte fiel die Krücke seines Stockes immer energischer auf die Schulter des Herrn Ministers, der kein Wort zu erwidern wagte und keine Miene verzog.
Dann wandte er sich an den Finanzminister Boden, nahm ihm den Rapport aus der Hand und las ihn halblaut durch. Seine Züge klärten sich beim Lesen auf, und er nickte wiederholt befriedigt. Nur bei einem Voranschlage schüttelte er den Kopf und wies auf die betreffende Stelle in dem Aktenstück.
»Wird gestrichen!« resolvierte er kurz. »Sternwarten sind gut und nützlich, vorläufig aber der Bauverwaltung der Luftschlösser zu überweisen! Den Akademikern ist zu schreiben, der König gründe vorerst Bauernansiedlungen! Wenn für diese gesorgt sein wird, wird man an die Sterne denken! Unser eigener Stern geht vor!«
Eine Handbewegung — ein kurzes Lüften des Hutes, eine tiefe Verbeugung der Exzellenzen — die Audienz war erledigt! Der Privatsekretär nahm den Herren die noch nicht abgegebenen Rapporte ab und ging. Friedrich blieb allein.
Am Fenster hatte man ein eben abgeliefertes Gemälde Meister Pesnes, die Tänzerin Cochois darstellend, zur Besichtigung aufgestellt. Friedrich besah es sich genau, nickte befriedigt und rief Michaelis.
»Hänge Er mir die Mamsell dort an den Nagel!« befahl er kurz. »Als dekoratives Detail immerhin noch zu gebrauchen! Und degoutiert so nicht durch ihr dummes Plappern! Ruf mir dann Fredersdorf!«